2.04.2020 08:42
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Italien
Bauernverbände fordern Solidarität
In Italien pochen die Landwirtschaftsverbände angesichts der Corona-Krise auf Solidarität und Zusammenhalt. Der Landwirtschaftsverband Cia forderte den Detailhandel in der vergangenen Woche auf, mehr Ware aus heimischer Produktion zu verkaufen.

Trotz der Solidaritätsbekundungen der vergangenen Tage seien die Regale immer noch mit Milch aus Deutschland, Fleisch aus Frankreich sowie Obst und Gemüse aus Spanien gefüllt. Der mitgliederstärkste Verband der Branche (Coldiretti) übte derweil deutliche Kritik an den Milchverarbeitern.

Profiteure ausschliessen

Täglich würden 5,7 Mio. l Milch sowie Käsebruch importiert, während der Produzentenpreis für Milch aus Italien wegen vermeintlicher Überproduktion gesenkt werde. Angesichts steigender Absatzzahlen für Milch und Käse müssten derartige Geschäftspraktiken sofort eingestellt werden. Verbandspräsident Ettore Prandini sprach sich dafür aus, die Namen der betreffenden Unternehmen zu veröffentlichen.

Jetzt müsse verhindert werden, dass das Verhalten weniger Akteure die Arbeit der gesamten Wertschöpfungskette destabilisiere. Wer die Corona-Krise zu seinem eigenen Vorteil nutzen wolle, müsse zudem von staatlicher Unterstützung ausgeschlossen werden. Die italienische Regierung versucht unterdessen ebenfalls, einen drohenden Saisonarbeitermangel abzuwenden.

Da die Einreise aus dem Ausland derzeit wenig wahrscheinlich erscheint, sollen wenigstens die bereits im Land befindlichen Saisonarbeiter gehalten werden. Alle Aufenthaltsgenehmigungen, die bis zum 15. April ablaufen, wurden durch das Innenministerium bis zum 15. Juni verlängert. Das staatliche Institut für Markforschung und Markinformation (ISMEA) kündigte weitere Hilfsmassnahmen an. Unter anderem wurden für staatliche Kredite die Tilgung ausgesetzt und Bürgschaften ausgeweitet.

Überschüsse verwerten

Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova erläuterte unterdessen die detaillierte Verwendung der 50 Mio. Euro (52.9 Mio. Fr.), die für den Ankauf von Lebensmitteln zur Versorgung Bedürftiger vorgesehen sind. Demnach sollen für 14,5 Mio. Euro (15,3 Mio. Fr.) Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) gekauft werden; weitere 9 Mio. Euro (9,5 Mio. Fr.) sind für den Erwerb von Schinken mit g.U. und geschützten geografischen Angaben (g.g.A.) vorgesehen.

Für italienische Fruchtsäfte sind 2,5 Mio Euro (2,65 Mio. Fr.) eingeplant. Verarbeiter von Obst- und Gemüse, etwa für Suppen oder Marmeladen, können sich auf 8 Mio. Euro (8,45 Mio. Fr.) einstellen. Erzeugnisse aus Rindfleisch will die Regierung mit 8 Mio Euro stützen; Lammfleisch soll für 2 Mio. Euro gekauft werden. Die Regierung verspricht sich davon auch Unterstützung für die Erzeuger, die etwa Milch für Hartkäse aus Schafsmilch produzieren. Laut Bellanova müssen sich die Empfänger der Hilfsgelder verpflichten, ihre Rohstoffe aus den am stärksten von der Corona-Krise betroffenen Regionen zu beziehen; zudem sollen gezielt Überschüsse abgebaut werden.

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