12.07.2020 08:34
Quelle: schweizerbauer.ch - khe/blu
Frankreich
Chlorothalonil in Evian-Wasser
Forscher haben laut der «SonntagsZeitung» Rückstände des verbotenen Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil im Mineralwasser von Evian gefunden. Die Konzentration liegt deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten und ist gesundheitlich unbedenklich.

Das Wasser des Herstellers Evian am Genfersee stammt es aus den französischen Alpen nahe der Schweizer Grenze und ist für seine Reinheit bekannt. Nun aber haben Experten des eidgenössichen Wasserforschungsinstituts Eawaf darin Rückstände des Pestizids Chlorothalonil gefunden. Genau genommen 6 Nanogramm pro Liter. Das schreibt die SonntagsZeitung in einem Artikel. 

Wiget will nur noch Hilfsstoffe des Biolandbaus

Der Befund sei dennoch bedeutsam, weil Evian direkt aus dem Herzen der Alpen komme und als so rein gelte, dass Wissenschaftler ihre Messgeräte damit eichten. Ein Wasserexperte zeigte sich gegenüber der Zeitung besorgt: «Dass sogar die vom Menschen kaum beeinflussten Evian-Quellen in den französischen Alpen Pestizidrückstände aufweisen, ist bedenklich und zeigt den viel zu sorglosen Umgang mit diesen Stoffen», warnte Roman Wiget, der Präsident des Internationalen Trinkwasserverbandes AWBR.

Die Konzentration der im Evian gefundenen Rückstände liegt deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert. Sie stellen deshalb kein gesundheitliches Risiko dar. Die Konzentration sei «vergleichbar mit Zürichseewasser», sagt Juliane Hollender, Mitautorin der Eawag-Studie. Roman Wiget will den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einschränken. Er fordert, dass nur noch die Hilfsstoffe des Biolandbaus eingesetzt werden. Auch diese seien zwar zum Teil nicht unproblematisch, bauen sich laut Wiget aber – mit Ausnahme von Kupfer – sehr schnell ab, wodurch das Trinkwasser nicht belastet werde, sagt er zur «SonntagsZeitung».

Vorsorglicher Wert

Das Bundesamt für Landwirtschaft bewilligte den Einsatz von Chlorothalonil in den 1970er-Jahren. Der Wirkstoff wurde im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau gegen Pilzbefall eingesetzt. Der Bund hat Chlorothalonil, gestützt auf neue Forschungsergebnisse, vergangenes Jahr neu als «wahrscheinlich krebserregend» bezeichnet und die Anwendung per Anfang 2020 verboten. 

Im Dezember 2019 hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) alle Abbauprodukte (Metaboliten) von Chlorothalonil als Trinkwasser-relevant eingestuft. Für diese Stoffe gilt somit ein Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für Trinkwasser, der in diesem Fall auch für das Grundwasser als Grenzwert gültig ist. Dieser neue Wert ist extrem tief. Bei diesem Höchstwert handelt es sich um einen vorsorglichen Wert, nicht um einen toxikologisch hergeleiteten Grenzwert.

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