30.05.2019 17:55
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Keine Zuckerfabrik für Bauern
Die französische Südzucker-Tochter Saint Louis Sucre wird ihre von Umstrukturierungsmassnahmen betroffenen Zuckerfabriken nicht verkaufen. Das hat der Konzern klargestellt.

„Wir beenden die Zuckerproduktion nicht, um sie anderen Akteuren anzubieten, sondern um Überschusskapazitäten vom Markt zu nehmen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Wolfgang Heer, vergangene Woche in Mannheim. Nach Angaben von Südzucker ist es ausserdem für das französische Tochterunternehmen „unerlässlich“, die Lagerkapazitäten an den betroffenen Standorten in Cagny und Eppeville aufrechtzuerhalten.

Produktionsüberschüsse

Weitere Werke in der Region könnten zudem einen Teil der Verarbeitungskapazität übernehmen, die Wettbewerbssituation von Saint Louis Sucre werde dadurch künftig gestärkt. Der Mannheimer Konzern verwies auch auf die französischen Produktionsüberschüsse. Es werde doppelt so viel Zucker produziert wie im Land verbraucht werde. Des Weiteren sei die Konkurrenz sowohl bei der Versorgung mit Rüben als auch beim Zuckerverkauf sehr gross. Südzucker hat für das Segment Zucker im Geschäftsjahr 2018/19 einen operativen Verlust von 239 Mio. Euro (268 Mio. Fr.) ausgewiesen.

Der französische Verband der Rübenerzeuger (CGB) hatte vor zwei Wochen ein Übernahmeangebot für die Werke in Cagny und Eppeville ins Spiel gebracht. Verhandlungsgrundlage war laut CGB ein Gebot in Höhe von 30 Mio. Euro (34 Mio. Fr.), die weitgehend von den Rübenerzeugern aufgebracht werden sollten. Der Verband hatte seinen Vorschlag eigenen Angaben zufolge Vertretern von Südzucker bei einem Treffen in Strassburg unterbreitet. Diese hätten einer Prüfung zugestimmt und um schriftliche Vorlage gebeten. Vor diesem Hintergrund wertete der CGB die Absage aus Mannheim als Wortbruch, der weiteres Vertrauen der französischen Erzeuger kosten werde.

Keine Unterstützung vom VSZ

Die französischen Erzeuger geben den Kampf indes noch nicht verloren und pochen auf ein Treffen mit der Unternehmensführung, um das Übernahmeangebot und die Zukunft von Saint Louis Sucre möglichst zeitnah zu besprechen. Sollte Südzucker sich weigern, werde man das Projekt direkt den Aktionären auf der Hauptversammlung am 18. Juli vorstellen, so CGB-Präsident Franck Sander.

Zu diesen gehören allerdings auch die süddeutschen Rübenerzeuger, deren Verband (VSZ) über die Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs- Genossenschaft (SZVG) eine Mehrheitsbeteiligung an Südzucker hält. Der VSZ hatte sich bereits in der vorvergangenen Woche ablehnend zu den Plänen des CGB geäußert und dieselben Argumente wie der Südzucker-Vorstandsvorsitzende angeführt.

Deutliches Signal aus Paris gefordert

Entsprechend müssen sich die französischen Landwirte wohl mit der Unterstützung der heimischen Politik begnügen. Der Präsident der Region Normandie, Hervé Morin, forderte Südzucker auf, dass Übernahmeangebot zu akzeptieren. Die Gebietskörperschaft befürworte den Vorschlag und werde ihre Ressourcen zur Unterstützung mobilisieren. Das Werk in Cagny sei modern und besonders wettbewerbsfähig. Daher sei es wirtschaftlich absurd, die Produktion einzustellen.

Zuvor hatte bereits Morins Amtskollege in der Region Hauts de France, Xavier Bertrand, von der Regierung in Paris ein deutliches Signal gefordert. Nach seiner Ansicht soll mit den Plänen, in den betroffenen Werken die Produktion einzustellen, aber zugleich die Lagerung mit wenigen Beschäftigten fortzuführen, das sogenannte Florange-Gesetz umgangen werden, demzufolge grössere Unternehmen bei der Schliessung von Niederlassungen verpflichtet sind, zunächst einen Käufer zu suchen. Wenn Südzucker sein Vorhaben weiter verfolge, müsse Paris daher 8,8 Mio. Euro zurückverlangen, die dem Unternehmen im Rahmen der Steuergutschriften für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (CICE) zugutegekommen seien.

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