24.06.2017 18:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Barbara Schirmer
Gericht
Käser vor Gericht
Über acht Jahre soll der wohl bekannteste Käser und Schweinemäster aus dem Linthgebiet ins Gefängnis. Dies fordert die Staatsanwaltschaft. Eineinhalb Tage dauerte der Monsterprozess am Kreisgericht See-Gaster.

Die Anklageliste war umfangreich. Mehrfache Urkundenfälschung, Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, Gläubigerschädigung und Veruntreuung werden dem Käser und Schweinemäster aus dem Linthgebiet vorgeworfen. Bereits mehrfach stand er vor Gericht, er ist somit kein Unbekannter. Mit auf der Anklagebank sass für einmal auch seine damalige Lebenspartnerin, die im Verwaltungsrat einer der involvierten Firmen eingesetzt war.

Das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmass beträgt für den Käser acht Jahre und zehn Monate Gefängnis. Für seine damalige Partnerin werden mindestens sechs Monate Gefängnis gefordert.

Will sich nicht äussern 

Der Anwalt des Käsers spielte gleich zu Beginn der Verhandlungen auf Zeit und stellte einen Antrag auf Vertagung. Den lehnte das Gremium aber ab und liess die Verhandlungen laufen. Die Befragung des Käsers erwies sich als schwierig. Sein Standardsatz: Er wolle sich nicht weiter dazu äussern, war dominierend.

Dann wiederum konnte er sich nicht mehr erinnern, schob die Treuhänder und Buchhalter vor und offenbarte, er könne nicht einmal einen PC bedienen. Bezüglich seines Unwissens handelte es sich um namhafte finanzielle Ungereimtheiten. So liess sich der Käser von den Firmen, in die er involviert war, mehrmals Darlehen von einigen hunderttausend Franken gewähren, welche innert kürzester Frist auf null abgeschrieben wurden. 

38 Privatkläger 

Die Staatsanwaltschaft war überzeugt, dass der Käser nie im Sinn hatte, wie mehrfach von ihm behauptet, die Firmen zu retten, sondern, dass er nur seine privaten Schulden tilgen wollte. 38 Privatkläger forderten, für insgesamt 450000 Franken ausstehende Milchgelder, Schadenersatz oder Genugtuung von über 3 Millionen Franken.  

Hinzu kam die Anschuldigung, dass mit 3500 Tonnen Käse, der unerlaubterweise als Emmentaler verkauft wurde, ungerechtfertigte Einnahmen von 12,7 Millionen Franken erwirtschaftet worden seien. Es sei alles richtig deklariert gewesen, die Fehler seien an der Grenze passiert. Er sei schliesslich nicht selber in Chiasso gestanden, giftelte der Käser in einer seiner seltenen sprechenden Phasen. 

Partnerin war Opfer

Mit eindrücklichen Worten schilderte die damalige Lebenspartnerin unschöne Details aus ihrem Beziehungsleben. Denn der Käser war nicht nur ihr Chef, er war auch der Vater der gemeinsamen Kinder, um welche er sich, gemäss ihrer Aussage, nicht gekümmert habe. Was sie schilderte, war beklemmend und befremdend.

Hintergangen, bedroht und als Marionette manipuliert, habe sie sich vom Käser instrumentalisieren lassen. Bei der Befragung zeigte sie sich kooperativ. Sie habe ohne Kenntnisse gehandelt. Ihr seien fertige Dokumente hingehalten worden, welche von den Beratern und Anwälten des Käsers aufgesetzt worden seien.

Keinen Handlungsspielraum

Ihr Lebenspartner und zugleich Chef habe sie geheissen zu unterschreiben, da es darum gehe, die Firma zu retten, und dass auf diese Weise die Landwirte zu ihrem Geld kommen würden. Das sei auch ihr Anliegen gewesen. Eigenen Handlungsspielraum habe sie keinen gehabt. 

Sie entschuldigte sich bei allen Landwirten und Familien, die durch diese Angelegenheit zu Schaden gekommen waren. Beide Verteidiger forderten einen Freispruch für ihre Klienten. Das Urteil wird in zwei Wochen erfolgen. 

Seit 2006 stand der Angeklagte dreimal vor Gericht. Erneut wird der Käser angeklagt, rund 3447 Tonnen Grosslochkäse mit Etiketten wie «Original-Emmentaler Switzerland» oder «Original Emmental Lo Svizzero» versehen zu haben. Diesen hat er ins Ausland verkauft. Schon vor zehn Jahren soll der 49-Jährige seinen Käse als Emmentaler verkauft haben, obwohl dieser den Kriterien nicht entsprochen hatte. Damals war der Mann vom Betrugsvorwurf freigesprochen worden. ral

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