11.08.2020 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Milchmarkt
Bund bewilligt Butterimporte
Das Importkontingent für Butter wird um weitere 1800 Tonnen erhöht. Damit reagieren die Behörden auf die nach wie vor ungenügende Versorgung des Marktes mit Schweizer Butter.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wird zum zweiten Mal im laufenden Jahr das Butterimportkontingent erhöhen, wie die Bundesbehörden am Dienstag mitteilten. Bereits auf den 1. Juni hatte das BLW auf Antrag der Branchenorganisation Milch das Teilzollkontingent Butter um 1000 Tonnen für das laufende Jahr aufgestockt.

4 Prozent der verkauften Menge

Nach umfangreichen Bedarfsabklärungen und Diskussionen unterstütze die Branchenorganisation Milch (BOM) einen weiteren Antrag zur Erhöhung des Teilzollkontingentes Butter per 1. September um 1800 Tonnen. Dies entspreche rund vier Prozent der pro Jahr in der Schweiz verkauften Buttermenge. Diese zweite Erhöhung sei auf Grund der tiefen Lager und unterdurchschnittlichen Produktion unvermeidbar, heisst es.

Gemäss Erfahrungswerten der Branche sollten Mitte Jahr rund 4000 bis 5000 Tonnen Butter in den Tiefkühllagern liegen. Die Butterlager befänden sich aktuell auf dem sehr tiefen Stand von rund 400 Tonnen. Die erste Kontingentserhöhung von tausend Tonnen sowie die 900 Tonnen Importrechte der Branche würden deshalb nicht ausreichen, um die Versorgung über das ganze Jahr zu sichern.

BLW fordert mehr Transparenz

«Die sichere Versorgung des Marktes mit Butter ist wichtig. Dazu braucht es eine verlässliche Planung», schreibt das BLW. Für die Zukunft werde von der Milchbranche erwartet, dass sie die Transparenz im Buttermarkt verbessere, heisst es weiter.

Eine mangelnde Versorgung mit Butter hatte sich bereits länger abgezeichnet. Am 1. April hat der Bundesrat deshalb mit einer Änderung der Agrareinfuhrverordnung die Kompetenz zur Erhöhung des Teilzollkontingents Butter bis Ende September ans BLW delegiert. Dies ermögliche ein rascheres Handeln im Hinblick auf eine angemessene Versorgung des Schweizer Buttermarktes.

Innerhalb des Teilzollkontingents kann Butter nun zum tieferen Kontingentszollansatz von 20 Rappen pro Kilogramm importiert werden, wie es weiter heisst. Die Kontingentsanteile werden versteigert. Die Versteigerung ist auf der BLW-Internetseite ausgeschrieben und dauert bis am 18. August. Die Butter kommt gemäss der BOM aus der EU. Der Importeur der Butter ist frei, einen Hersteller im Ausland auszuwählen, es dürfte auch nicht alle importierte Butter vom gleichen Lieferanten kommen.

BOM nennt mehrere Gründe für tiefere Lagerbestände

Die Branchenorganisation Milch hat Mitte Juli ein Faktenblatt verfasst, weshalb es Butterimporte benötigt und warum die Lagerbestände so tief sind. Für die tiefen Bestände macht sie mehrere Gründe geltend:

  • Die Milchproduktion ist seit rund zwei Jahren zwar stabil, jedoch im langjährigen Mittel eher tief.
  • Der Käseabsatz ist seit längerer Zeit sehr erfreulich, was zu einer höheren Käseproduktion und damit zu weniger Milch für andere Verwertungskanäle führt.
  • Die Lebensmittelindustrie setzt wieder häufiger Milchfett statt Palmöl ein, beispielsweise in der Glace-Produktion.
  • Butter hat in Kombination mit dem Koppelprodukt «Magermilchprodukte» eine eher tiefe Wertschöpfung - auch aufgrund der gegebenen agrarpolitischen Rahmenbedingungen - , sodass die Butterherstellung aus Rohmilch nicht an erster Stelle steht.
  • Der Butterabsatz ist in der Schweiz in den letzten Monaten gestiegen.
SMP stimmte unter Bedingungen zu

Im Vorfeld der Verhandlungen um die zweite Tranche haben die Schweizer Milchproduzenten (SMP) erklärt, dass sie weiteren Einfuhren nur zustimmen werden, sofern die Branche ein Preissignal aussendet. Für die Schweizer Milchproduzenten hat die Versorgung des Inlandmarktes, insbesondere des Schweizer Detailhandels, Priorität. «Der aktuelle Mangel an Milchfett ist für die Produzenten die logische Begründung, die Milchfettpreise auch ausserhalb der Butter anzuheben», heisst es in der Mitteilung von Mitte Juli.

Zwei Tage später erklärten die SMP, weshalb sie in den Verhandlungen der Einfuhr von 1800 Tonnen Butter zugestimmt. «Grundsätzlich muss die ergänzende Marktversorgung über Importe dosiert erfolgen und es muss jederzeit Transparenz über getätigte Importe bestehen», halten die SMP fest. Eine Verwässerung der Swissness kommt für die Organisation nicht infrage. Die Schweizer Milchproduzenten erklärten, weshalb sie dem Deal zugestimmt haben. Folgende Bedingungen sind für die SMP zwingend:
  • Die Erlöse aus den Importabschöpfungen bei der Butter werden für die «Milch» eingesetzt und fliessen zu den Milchproduzenten.
  • Der Umbau der Exportstützung bei den Fonds der BOM wird so vorangetrieben, dass mehr Milchfett im Inland zur Verfügung steht und weniger mit Fondsmitteln exportiert wird. Die Entscheide liegen mit Wirkung per 1. Januar 2021 vor.
Die Verhandlungen seien damit abgeschlossen und die Umsetzung stünde bevor. «Die Milchproduzenten verfolgen das Dossier deshalb unverändert mit höchster Priorität», schreiben die SMP.
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