4.12.2019 18:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Höheren Milchpreis einfordern?
Die Migros führt in ihren Regalen derzeit aus der EU importierte Kochbutter. Die Migros begründet die Massnahme mit einem Mangel an Schweizer Milch. Sollen nun die Schweizer Milchproduzenten höhere Milchpreise einfordern? Abstimmen und mitdiskutieren

Seit vergangener Woche gibt es in den Filialen der Migros Butter aus der Europäischen Union zu kaufen. Seither schlagen die Wogen hoch. Doch es brodelt seit geraumer Zeit am Milchmarkt. Doch die Einfuhr von 100 Tonnen Butter heizt die Gemüter auf.

Milchproduktion seit Monaten rückläufig

Denn zahlreiche Produzenten von Molkereimilch müssen sich seit geraumer Zeit mit nicht kostendeckenden Preisen begnügen. Aufgrund dieser Situation geben immer mehr Landwirte die Milchproduktion auf. Nur noch 19'000 Betriebe produzieren Milch.

Die Folge: Die Milcheinlieferungen in der Schweiz sind im Vergleich zum Vorjahr seit mehreren Monaten rückläufig. Die kumulierte Milchproduktion von Januar bis September 2019 lag mit 2'579’852 Tonnen 1,6 Prozent tiefer als im Vorjahr. 

Im Sommer wurde Milchpreis gesenkt

Bereits im Sommer sind dunkle Wolken am Milchmarkt-Himmel aufgezogen. Die Migros-Tochter Elsa hat per 1. Juli den Produzentenpreis um 2.5 Rappen auf 62,50 Rappen pro Kilo gesenkt. Milchbauern waren empört, aber auch Mitbewerber waren über das Vorgehen der Migros verärgert, stand doch die Einführung des grünen Teppichs mit einem Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rappen pro Milch vor der Tür. Bauernorganisationen forderten Milchvermarktungsorganisationen in der Folge auf, keine Preisnachlässe gegenüber der Elsa oder anderen Abnehmern zu gewähren.

Der Migros-Genossenschafts-Bund begründete den Abschlag damals damit, dass seit Februar die ausbezahlten Milchpreise in der Branche kontinuierlich gesunken seien. Anfang August gab der Konzern bekannt, den Produzentenpreis für Molkereimilch um 3 Rappen auf 65.5 Rappen zu erhöhen. Damit lag der Preis um 0,5 Rappen höher als vor der Senkung auf Anfang Juli. Begründet wurde der Aufschlag mit steigenden Preisen am Milchmarkt. Die Migros zahle damit einen Preis deutlich über dem Durchschnitt, lobte sich die Migros.

Migros führt Milchmangel ins Feld

Der Import von Butter sorgt nun erneut für dicke Luft. Die Detailhändlerin verkauft in den nächsten Tagen rund 100 Tonnen Butter aus Deutschland und Belgien. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der Verbrauch pro Jahr bei rund 45'000 Tonnen Butter.

Rund 100 Tonnen Butter werden aus der EU importiert. Für deren Herstellung in der Schweiz hätte es gut 2 Millionen Kilogramm Milch gebraucht.

Mit den Importen soll einheimische Ware nicht konkurrenziert werden. «Die Einfuhren füllen lediglich die Lücke, welche sich leider aktuell in diesem Segment aufgetan hat», so die Migros gegenüber «Schweizer Bauer». Momentan herrsche ein Milch- und folglich auch ein Rahmmangel, fährt sie fort. Sobald genügend Schweizer Ware vorhanden sei, werde wieder ausschliesslich Schweizer Butter in den Regalen stehen, beteuert die Migros. 

Mooh spricht von ungenügender Einkommenssituation

Der Engpass von Rahm wird auch von anderer Seite thematisiert. So schrieb Milchhändlerin Mooh in ihren Produzenten-Info von November unter dem Titel «Zu wenig Rahm» folgende Zeilen: «Die Milcheinlieferungen bleiben weiterhin deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurück. Es scheint, dass die ungenügende Einkommenssituation vieler Milchproduzenten und die Anforderungen betreffend Nachhaltigkeit bei verschiedenen Betrieben bremsend wirken. Milchfett und Butter sind in der Schweiz entsprechend knapp. Um die Versorgung sicherzustellen, muss bis Ende Jahr sogar etwas Butter importiert werden.»

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP), der Dachverband der Schweizer Milchbauern, äussert sich über Twitter zu den Importen: «Früh geplant und mit richtigen Preisen hätte ausreichend Butter gefunden werden können.» Importe seien nicht beantragt worden. 

BOM: Marktlage stabil

Hat die Migros also falsch geplant, und war gemäss dem Tweet der SMP nicht bereit, für die Butter mehr zu bezahlen? ««Die Elsa hatte ihren Rahmbedarf korrekt geplant, wurde aber aufgrund der Milchknappheit nicht im vorgesehenen Umfang beliefert. Zudem sind die Butterlager leer», schreibt die Migros dazu. 

Die Milchproduktion ist seit vergangenem Jahr rückläufig. Ein Signal in Form einer Richtpreiserhöhung blieb von der Branchenorganisation Milch (BOM), aber auch von Verarbeitern und Händlern, bisher aus. Am 21. November teilte die BOM bezüglich des Richtpreises folgendes mit: «Aufgrund der stabilen Marktlage und praktisch unveränderten Rahmenbedingungen bleibt der Richtpreis für Molkereimilch im A-Segment im 1. Quartal 2020 unverändert bei 71 Rappen pro kg Milch». Die 3 Rappen Nachhaltigkeitszuschlag wurden Anfang September mit einer Erhöhung des Richtpreises von 68 auf 71 Rappen je Kilo Milch inkludiert. Doch die stetige Abnahme der Milchproduktion schlug sich nicht im Preis nieder. 

«Weiss jemand, wie dieser Markt funktioniert?»

Und das ärgert die Leser von schweizerbauer.ch. «Wird der Rohstoff knapp, steigt der Preis. Das funktioniert bei der Milch leider nicht. Weiss überhaupt einer noch, wie dieser Markt funktioniert», fragt sich Karl Berger.

Auch der Zürcher Nationalrat Martin Haab (SVP) äussert sich zu den Importen. «Ende Jahr Butter zu importieren ist keine Schande, das war vor 15 Jahren in der Schweiz Standard. Die Einfuhren zeichneten sich bereits im Sommer ab. Wenn man jedoch monatelang vergisst, Preisforderungen für A-Milch zu platzieren, weil man sich auf dem grünen Teppich so wohl fühlt, gibt das einem zu denken», kritisiert Haab die SMP.

Einen anderen Ansatz führt Leser Seppetoni ins Feld. Die Bauern müssten die Marktregeln akzeptieren: «Variante 1: Diejenigen, die am rationellsten und kostengünstigsten produzieren, bestimmen automatisch den Preis der Industriemilch. Variante 2: Ich liefere nicht an Verarbeiter, sondern verarbeite und vermarkte selber.»

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