17.01.2020 18:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Markt wäre zusammengebrochen»
Der Markt für Biomilch ist gesättigt. Umsteiger befinden sich auf einer Warteliste. Ohne diese Massnahme wäre der Markt zusammengebrochen, sagt Bio Suisse-Präsident Urs Brändli. Tiefere Preise sind für ihn keine Option.

Der Marktanteil der Biomilch liegt bei rund 8 Prozent. Und offenbar ist der Markt gesättigt. Das hat Auswirkungen für Umsteiger.  Weil die Nachfrage zu klein ist, müssen diese länger als geplant die Milch zu einem tieferen Preis in den konventionellen Kanal liefern. 

9% mehr Milch

Wer auf Bio umstellt, durchläuft zuerst eine zweijährige Umstellungsphase, bis der Hof vollumfänglich als Knospe-Betrieb gilt. Jährlich erlangen immer mehr Betriebe den Knospe-Status, 2020 sind es rund 155 Milchproduzenten.

Weitere 23 Millionen Kilo Milch, also über 9% des bestehenden Marktes, kämen so dazu, berichtete der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) Anfang Dezember 2019. Zusätzlich zu den Mengen, die schon 2019 nicht vom Markt aufgenommen werden konnten, sei dies zu viel, teilte der Verein Mittelland Milch Ende November mit. 

Warteliste als Folge

Das Angebot von Biomilch überschreitet für 2020 definitiv die Nachfrage. Um diese neuen Mengen abzufedern, haben die Biomilchorganisationen entschieden, Wartelisten bis mindestens Ende Mai einzuführen. 

Das hat finanzielle Konsequenzen zu Folge. Beispielsweise für die Familie Schürch aus Kirchberg BE. Im Januar 2018 haben Gabi und Beat Schürch gemäss LID angefangen, ihren Milchbetrieb mit Ackerbau auf biologische Produktion umzustellen. 

Massive Einbussen

Schürchs besitzen 35 Milchkühe, die Milchproduktion liegt bei rund 180'000 Kilo. Geliefert wird die Milch an Emmi. Weil sie ihre Milch nun bis Ende Mai in den konventionellen Kanal liefern müssen, verlieren sie rund 20'000 Franken. 

«Uns Landwirten wird vorgeworfen, dass wir mit unserer Produktion der Umwelt schaden. Wenn wir aber auf Bio umsteigen, kaufen zu wenige unser Produkt. Das ist doch absurd», sagte Gabi Schürch zum LID. Sie hofft, dass die Konsumenten mehr Biomilch kaufen. 

Preissenkung keine Option

Nun hat sich auch die SRF-Nachrichtensendung «10 vor 10» dem gesättigten Biomilch-Markt angenommen. Die TV-Macher haben den Präsidenten von Bio Suisse, Urs Brändli, zur schwierigen Marktsituation befragt. Er verteidigt die Wartelisten. «Hätten alle neue Produzenten per 1. Januar 2020 in den Biomilchkanal geliefert, wäre der Markt zusammengebrochen. Damit das nicht passiert, haben wir Wartelisten eingeführt», sagt Brändli.

Wenn das Angebot die Nachfrage übertrifft, senken in der Regel die Preise. Müsste der Preis für Biomilch also nicht sinken? Für Brändli ist dies keine Option. «Es kann nicht das Ziel sein, dass wir mit der Biomilch dieselben Probleme kriegen wie bei den konventionellen Kollegen. Dort müssen viele Bauern die Milchproduktion aufgeben, weil aufgrund des tiefen Preisniveaus die Existenz gefährdet ist», macht Brändli deutlich.  

Coop-Jubiläum führte zu falschen Annahmen

Einer der Gründe für den Ausbau des Angebots war das Jubiläumsjahr von Coop. 2018 feierte der Detailhändler das 25-Jahre-Jubiläum seines Biolabels. Biomilch wurde stark beworben, der Absatz erhöhte. 2019 jedoch bildete sich das Wachstum stark zurück. Das Angebot wuchs gemäss Bio Suisse schneller als die Nachfrage. Die Folge davon ist der aktuelle Angebotsüberhang. 

Konnte man dies nicht voraussehen? «Nein. Nach dem Wachstum bei Coop Naturaplan gingen wir auch 2019 davon aus, dass der Absatz steigen wird. Wir dachten, die Konsumenten seien bioaffin, doch dem war nicht so. 2019 hatten wir leider kein Wachstum», sagt Pirmin Furrer, Geschäftsführer der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) zu «10 vor 10».

«Halten Preis nicht künstlich hoch»

Deshalb habe es Massnahmen in Form von einer Warteliste benötigt. Wird damit nicht der Preis künstlich hochgehalten? Furrer dementiert: «Die Warteliste ist dazu da, damit der Landwirt seinen Preis erhält. Wir halten den Preis nicht künstlich hoch. Der Bio-Konsument ist bereit, einen höheren Preis zu bezahlen.»

Ob dem wirklich so ist, wird sich in den nächsten Monaten weisen. Bio Suisse will in diesem Jahr die Absatzförderung für Biomilch intensivieren. Umsteller, die ab 2021 abliefern könnten, sind bereits auf einer Warteliste. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE