9.08.2019 10:43
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Migros erhöht Milchpreis wieder
Die Schweizer Detailhändlerin wird per 1.September 2019 den Milchproduzenten 3 Rappen mehr bezahlen. Der Aufschlag wird steigenden Preisen am Milchmarkt begründet. Nach der Senkung um 2,5 Rappen per 1.Juli wurde die Migros heftig kritisiert.

Der Fronten haben sich an Molkereimilchmarkt in den vergangenen Wochen verhärtet. Die Migros-Tochter Elsa hat per 1. Juli den Produzentenpreis um 2.5 Rappen auf 62,50 Rappen pro Kilo gesenkt.

«Keine Preisnachlässe gewähren»

Milchbauern waren empört. Bauernorganisationen forderten Milchvermarktungsorganisationen in der Folge auf, keine Preisnachlässe zu gewähren. «Diese müssen konsequent solidarisch bleiben und auch ihrerseits gegenüber der Elsa oder anderen Abnehmern keine Preisnachlässe gewähren», betonten die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und der Schweizer Bauernverband (SBV) Ende Juli. Alle Milchvermarktungsorganisationen seien aufgefordert, diese Position einheitlich zu vertreten.

Auch richteten die Organisationen einen Appell an die Konsumenten. Die Gesellschaft verlange Nachhaltigkeit. «Die Milchproduzenten tragen, mit ihrer Arbeit auf den Betrieben, ihren Teil dazu bei», heisst es in Mitteilung. Konsumenten müssten nur ihren Teil mittragen. «Ansonsten kann die Migros in ihrer Werbung nicht länger behaupten, ein nachhaltiger und fairer Partner zu sein», schloss das Communiqué.

Migros begründete Abschlag mit sinkenden Preisen

Der Migros-Genossenschaftsbund begründete den Abschlag damit, dass seit Februar die ausbezahlten Milchpreise in der Branche kontinuierlich gesunken seien. Darum habe Elsa den Basispreis um 2,5 Rappen auf 62,5 Rappen gesenkt, hiess es vonseiten des Detailhändlers.

Das Unternehmen habe «sehr lange zugewartet» bis es sich zur aktuellen Preissenkung entschlossen habe. Zusammen mit den drei Rappen Nachhaltigkeitszuschlag betrage der ausbezahlte Preis 65,5 Rappen. «Dies ist nach wie vor deutlich höher als der durchschnittlich in der Branche ausbezahlte Milchpreis», machte die Detailhändlerin Ende Juni klar.

Bauernverbände sprachen von Margenverbesserung

«Die Argumentation des Migros-Verarbeitungsbetriebs Elsa entbehrt jeder Grundlage. Es wird immer klarer, dass es hier um eine direkte Margenverbesserung auf dem Buckel der Produzenten geht», sagten hingegen SMP und SBV. 

«Die Produzentenpreise sind entgegen der Behauptung der Elsa nicht zusammengefallen. Durchschnittlich sind die Preise gerade einmal um 0.8 Rappen (nicht 2.5 Rappen) gesunken und das vorwiegend aus Gründen, welche die Elsa nicht für sich beanspruchen kann (Exporte mit der Nachfolgelösung Schoggigesetz)», hielten SMP und SBV fest. Die Migros-Molkerei Elsa solle auf die Milchpreissenkung bei den Direktlieferanten verzichten.

Milchproduktion seit Monaten rückläufig

Die Marktlage deutete im Juni eigentlich nicht auf eine Reduktion der Preise hin. Die sinkenden Tierbestände und die tiefen Produzentenpreise haben sich auf die Erzeugung ausgewirkt. Seit August 2018 ist die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat rückläufig. In den ersten fünf Monaten von 2019 haben sich die Einlieferungen gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent zurückgebildet. Eine Trendumkehr ist derzeit nicht in Sicht.

0,5 Rappen mehr als bis Ende Juni

Die Migros gab nun am Freitag bekannt, den Produzentenpreis für Molkereimilch um 3 Rappen auf 65.5 Rappen zu erhöhen. Damit liegt der Preis um 0,5 Rappen höher als vor der Senkung auf Anfang Juli. Begründet wird der Aufschlag mit steigenden Preisen am Milchmarkt.

«Zusammen mit dem Nachhaltigkeitszuschlag von ebenfalls 3 Rappen zahlt die Migros den Bauern weiterhin einen Preis, der gemäss Angaben des Bundesamtes für Landwirtschaft deutlich über dem Durchschnitt liegt», schreibt die Migros. Zudem erhalten Bauern im Rahmen des Programms «Nachhaltige Milch Migros» einen Bonus von bis zu 1000 Franken pro Jahr.

Elsa hat Warteliste von Produzenten

Dieser Nachhaltigkeitszuschlag wird von Bauernverbänden kritisiert. Sie stören sich daran, dass die Elsa per 1. Januar 2019 von den Bauern die Einhaltung neuer Nachhaltigkeitskriterien verlangte. Bauern, welche sie nicht erfüllten, erhielten auf diesen Tag hin 3 Rp./kg weniger für die Milch. Wer die Kriterien erfüllte, bekam gleich viel wie im Dezember. Es handelt sich also um keinen «Nachhaltigkeitszuschlag», denn der effektive Zuschlag liegt bei 0,0 Rappen.

Die Migros ist als Abnehmerin von Milch offenbar gefragt. Denn sie schreibt folgenden Zeilen: «Diese und andere Vorzüge führen dazu, dass die Elsa eine längere Warteliste von Produzenten führt, die gerne Milch an die Migros liefern würden.» Und die Migros weist darauf hin, dass sie als einzige grosse Schweizer Detailhändlerin ausschliesslich Joghurt aus 100% Schweizer Milch im Sortiment habe.

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