25.06.2020 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Milchmarkt
«Werden uns weiter für Milchbauern wehren»
Die Bauernverbände Nidwalden, Obwalden und Uri haben in einem offenen Brief die Schweizer Milchproduzenten und die Branchenorganisation Milch (BOM) scharf angegangen. Die SMP wehren sich gegen die Kritik.

Die Bauernverbände gingen mit ihrer Kritik an die SMP und die BOM hart ins Gericht. 

«Zum einen stellt die Dachorganisation Forderungen und Auflagen der eigenen Branche (Produzenten), auf der anderen Seite werden gleichzeitig Importe von Butter und weiteren Produkten fast ohne Auflagen zugelassen." Für ein solches Verhalten haben Produzenten und Konsumenten kein Verständnis», halten die Bauernverbände in ihrem Brief fest.

Die Lage für die Milchproduzenten werde immer schwieriger. Deshalb sollen sich die SMP und die BOM für gute Bedingungen der Milchproduzenten einsetzen.

Die Schweizer Milchproduzenten ihrerseits haben auf die Vorwürfe reagiert. Sie halten fest, dass sie mehrfach ein Preissignal nach oben eingefordert haben. «Die Bauernverbände Nidwalden, Obwalden und Uri müssen sich bewusst sein, dass sie mit der Kritik an die SMP jene kritisieren, die sich in der BOM als einzige und bis zum Schluss gegen die Importforderungen gewehrt haben», halten die SMP fest. Und sie weisen darauf hin, dass sie sich weiterhin mit voller Energie für die Milchbauern einsetzen werden. 

Die Antwort der SMP auf den offenen Brief der Bauernverbände Nidwalden, Obwalden und Uri: 

Nachdem eine A-Richtpreiserhöhung im Februar 2020 in der Branchenorganisation Milch (BOM) per 1. April 2020 abgelehnt wurde, haben die Schweizer Milchproduzenten (SMP) vor gut drei Monaten im aktuellen Marktumfeld mehrfach ein deutliches Preissignal für die Milchproduzenten gefordert. Am 19. und 23. März 2020 wurden die Position in den Medien klar und kantig festgehalten sowie über andere Kanäle wie Twitter mehrfach repetiert. Die Positionen im Einzelnen: 

  • Mehr Milch soll in die inländische Butterproduktion fliessen, anstatt zu einem tiefen EU-Preis (netto) in verarbeiteten Produkten exportiert zu werden.
  • Bei verarbeiteten Produkten, die in den Export gehen, sind Preiserhöhungen bei Rahm, Butter und Vollmilchpulver fällig. Bereits bei der Umstellung zum privat-rechtlichen System Anfang 2019 mussten ungenügende Verkaufsleistungen konstatiert werden.
  • Sehr marktgerecht ist in der aktuellen Situation auch eine Anpassung der Fettpreise im Inland.

Dank unserem Engagement war der Weg für eine Butterpreisanpassung per 1. Juli 2020 um 50 Rappen je Kilo zumindest geebnet. Abgemacht war, dass der Mehrerlös zu den Produzenten kommt und der A-Anteil der Milch im Corona-Umfeld in der zweiten Jahreshälfte steigt. Diese Zusagen müssen die Milchverarbeiter nun einhalten! 

Für die SMP macht es weiterhin wenig Sinn, Butter über verarbeitete Produkte zum Weltmarktpreis zu exportieren, wenn gleichzeitig im Inland eine Unterversorgung besteht. Für die SMP haben die Wertschöpfung und der Inlandmarkt Priorität. Die SMP haben deshalb dem Antrag in der BOM zur sofortigen Importfreigabe von 1‘000 Tonnen Butter nicht zugestimmt.

Wir haben einen anderen Vorschlag unterbreitet (Redaktion: In einem ersten Schritt 500 Tonnen Import plus Erfüllung der drei Punkte oben). Die SMP sind mit dieser Haltung aber in der Minderheit. Auch die anderen Importe von weiteren Milchprodukten haben das Parlament und der Bundesrat mit der Freigabe des Veredelungsverkehrs gegen den Willen der SMP und der Milchproduzenten durchgesetzt. 

Im Weiteren gibt es aktuell keine Beschlüsse innerhalb der BOM, die zum Zweck haben, Mittel für den Butterexport in die Eiweissstützung umzulagern. Wir verwei-gern uns keinen Diskussionen, fordern aber unmissverständlich einen Mehrwert für die Milchproduzenten. Es geht auch hier um Wertschöpfung. Anders lautende Aussagen sind schlicht falsch.

Die SMP sind vom Ergebnis der Milchpreisverhandlungen per 1. Juli 2020 aus der Zentralschweiz, das seit einigen Tagen auf dem Tisch liegt, ernüchtert und fordert eine Korrektur, insbesondere bei den zum Teil «phantasievollen» Abzügen. 

Die Bauernverbände Nidwalden, Obwalden und Uri müssen sich bewusst sein, dass sie mit der Kritik an die SMP jene kritisieren, die sich in der BOM als einzige und bis zum Schluss gegen die Importforderungen gewehrt haben. Sie werden sich weiter wehren und auch den Blick für alle Milchproduzenten in der Schweiz im Fokus haben. Deshalb sind die SMP bei der BOM als Mitglied dabei.

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