27.10.2020 12:16
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt
Prävention
«Das hätte gewaltig schiefgehen können!»
Hansueli Hasler musste beinahe einen Unfall in seiner Mutterkuhherde mitansehen. Deshalb gilt: Reagieren, bevor etwas passiert.

Zu Fuss, mit dem Hund, auf dem Fahrrad: Immer mehr Menschen sind im ländlichen Gebiet unterwegs. Nicht alle Besucher  wissen, welches Verhalten angebracht ist. Gerade im Kontakt mit Rinderherden kann es so schnell zu gefährlichen Situationen kommen. Umso wichtiger ist für Tierhalter die Beurteilung der Risiken für Drittpersonen und das Umsetzen geeigneter Massnahmen. 

Zutraulich, aber

Hansueli Hasler steht auf dem Hausplatz und blickt hinunter auf die Parzelle, die er gerade mit seinen Mutterkühen beweidet. «Am Sonntagnachmittag hörte ich plötzlich ein Brüllen der Kühe und ging hinaus, um zu schauen, was los ist» erzählt er. Durchs Fernglas beobachtete er, wie die ganze Herde aufgebracht Richtung Zaun rannte.

Was er dann sah, liess ihm den Atem stocken: «Ein kleiner Junge befand sich in der Weide und wollte sich den Tieren nähern, seine Mutter stand mit dem Hund aussen am Zaun und schaute zu.» Blitzartig habe er sich da ins Auto gesetzt und sei hingefahren zu den Spaziergängern. Bei seiner Ankunft stand der Bub glücklicherweise schon wieder ausserhalb der Weide, wohlbehalten. «Meine Kühe sind zutraulich, ich kann jede ans Halfter nehmen. Aber das hätte auch gewaltig schiefgehen können!» sagt der Landwirt aus Madiswil BE nachdenklich.

Massnahmen umgesetzt

Er habe das Gespräch gesucht mit der Mutter, ihr erklären wollen, dass Kühe ihre Kälber verteidigen und welchem Risiko ihr Sohn ausgesetzt gewesen sei. Dass er als Tierhalter letztendlich die Verantwortung trage, wenn etwas passiere. «Mir schien jedoch, dass die Mutter die Problematik nicht erkannt hat.» 

Hasler hat inzwischen seine Risikobeurteilung gemacht und Massnahmen umgesetzt: «Grad am Montag habe ich dem Spazierweg entlang eine dritte Litze eingezogen. Zudem habe ich nun am Anfang und am Ende der Weide eine Mutterkuh-Warntafel aufgestellt und werde da auch noch ein Böxli mit Infoflyern montieren.» Er hoffe, dass sich damit weitere Vorkommnisse vermeiden liessen, denn «so was fährt schon ganz gewaltig ein!»

Sorgfaltspflicht einhalten

Das Obligationenrecht legt  fest, dass Tierhalter grundsätzlich immer für Schäden durch ihre Tiere haften, ausser sie können nachweisen, dass sie alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung angewendet haben. Um diese Sorgfaltspflicht zu erfüllen, können Landwirte Schritt für Schritt  mit einem Ratgeber inkl.  Checkliste ihre Situation  beurteilen und geeignete Massnahmen definieren. 

Der Ratgeber wird für folgende Situationen empfohlen:

 

  • Weiden mit inoffiziellen (nicht markierten) Wegen
  • Weiden entlang von Wegen mit hoher Personen- und Hundefrequenz
  • Weiden angrenzend an Wohnsiedlungen, Spielplätze, Schulareale, usw. mgt/hal

 

Der Ratgeber kann gratis bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) oder bei Mutterkuh Schweiz bezogen werden.


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