10.02.2020 12:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Reiner Schilling
Tierhaltung
Hof- und Weidetötung als Option
In Andeer GR fand Ende Januar eine Infoveranstaltung zur Thematik «Hof- und Weidetötung von Schlachttieren» statt. Als Experte klärte Eric Meili die Bäuerinnen und Bauern über die zukünftigen Möglichkeiten auf.

Organisiert hat diesen Austausch die Bäuerin Cordula Stoffel aus Avers Juppa GR. Mit ihrem Mann Hannes führt sie den kleinsten Mutterkuhbetrieb im Bündner Hochtal auf gut 2000m ü.M. mit rund 20ha LN und zehn GVE. Der frühere, stundenlange Lebendtiertransport zum Grossschlachtbetrieb fühlte sich für Stoffels wie Verrat am Nutztier an.

Stressfrei schlachten

Seit einigen Jahren werden ihre Schlachttiere in die «Metzga Viamala» nach Andeer gebracht. Diese relative Nähe ist für beide um Längen stimmiger. Als konsequente Folge heisst das für das Bauernpaar, die zur Schlachtung anstehenden Tiere direkt auf dem Hof zu betäuben und zu töten. Das sei einerseits stressfreier, und andererseits entfällt der Lebendtiertransport.

Für den Berater Eric Meili ist dieser Wunsch «ein einfaches Anliegen beim Tierschutz». Bei diesen Themen sei die Zivilgesellschaft seiner Meinung nach den Bauern ein Stück voraus. Meili arbeitet für das FiBL, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Thematik von Hof- und Weidetötung.

Zwei Systeme

In einem Rückblick ab 2011 zählte er die verschiedenen Etappen in diesem Prozess auf, Schlachttiere direkt auf dem Hof töten zu dürfen. Meili möchte damit die Handwerksarbeit zurück in die Regionen holen. Er unterscheidet zwischen zwei Systemen, dem Kugelschuss im Einfang aus Holz und dem Bolzenschuss im Fressgitter. Beides muss von ausgebildeten Personen durchgeführt werden. Ebenso ist bei der obligatorischen Lebendtierschau jeweils auch gleichzeitig ein Amtsveterinär vor Ort, der den korrekten Ablauf mitverfolgt.

Knappe Transportzeit

Innerhalb der derzeit festgelegten 45 Minuten muss der Schlachtkörper zur sofortigen Entnahme der Eingeweide beim Schlachtbetrieb ankommen. Zieht man die Zeit für Aufhängen, Ausbluten und Verladen mit ein, verbleibt nicht mehr viel Spielraum für den eigentlichen Transport. Gerade von Avers Juppa bis Andeer muss mit einer Fahrtzeit von mindestens 30 Minuten gerechnet werden. In der EU liegt die Gesamtzeit bei 60 Minuten.

Als Transportmittel für die toten Tiere  gibt es bereits drei Modelle eines Spezialanhängers, wovon einer durch die Behörden bewilligt wurde. Das bei der Tötung aufgefangene Blut wird ebenfalls gesammelt und mit den Innereien im Schlachtbetrieb entsorgt.

Bundesrat am Zug

Inzwischen konnte die gesetzliche Grundlage (Verordnung über das Schlachten und die Fleischkontrolle) angepasst werden, und es wird Mitte des Jahres mit deren Inkraftsetzung gerechnet. Nach Meilis Angaben wurden schon in 19 Kantonen mindestens 87 Bewilligungen beantragt.

Mitte 2020 möchte das  FiBL ein Merkblatt zur Hof- und Weidetötung herausbringen, und die weitere Finanzierung dieses Projektes soll durch die Verordnung über die Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit in der Land- und Ernährungswirtschaft (QuNaV) möglich sein, hofft Meili. Sein Ziel ist es, dass die Beratung der Landwirtschafts- und Schlachtbetriebe kostenlos angeboten werden kann. 

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