9.07.2020 12:34
Quelle: schweizerbauer.ch - mge
Kälberaufzucht
Amme oder Milchkuh
Mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht lag lange Zeit in einem rechtlichen Graubereich. Mit der Anpassung der Milchhygieneverordnung, ist seit dem ersten Juli diese Haltungsform gesetzeskonform. In unserem Video zeigen wir ein Praxisbeispiel vom Gut Rheinau. Hier wird schon seit vielen Jahren diese Aufzuchtform praktiziert.

Ende Mai hat der Bundesrat die Milchhygieneverordnung geändert und an die entsprechende EU-Verordnung angepasst: Milch wird seit dem ersten Juli 2020 auch in der Schweiz nicht mehr zwingend als «ganzes Gemelk» definiert. Mit dieser Verordnungsänderung wurde für die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht ein gewichtiges Hindernis aus dem Weg geräumt.

Milch für die Kälber und die Molkerei

Andreas Wälle ist seit sieben Jahren Betriebsleiter auf dem Gut Rheinau (ZH). Auf dem Gut leben 55 Kühe mit Kälbern und 1-2 Stiere. Im Sommer geht ein Teil der Milchkühe zur Alp. Schon viele Jahre vor der Verordnungsänderung wurde erfolgreich die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht praktiziert. Ein Teil der Milch wird dabei den Kälbern gelassen und der Rest geht in die örtliche Molkerei.

Kuh und Kalb bleiben 10 Tage zusammen

In den ersten zehn Tagen bleiben Mutter und Kalb zusammen, nur während der Melkzeit bleibt das Kalb zurück in der Box. Im Anschluss kommen die Kühe und die Kälber in ein Stallabteil mit Kälberschlupf. «Der Kälberschlupf funktioniert wie ein Schleusensystem. Die Mütter kommen mit ihrem Kalb aus der Abkalbebox hierher. Durch den Schlupf können die Kälber zur Ammengruppe», sagt Wälle.

Damit soll erreicht werden, dass die Kälber schneller Anschluss an die Ammenherde finden. «Und die Kühe lernen langsam, dass es ihrem Kalb auch ohne ihre Anwesenheit gut geht. Während dieser Zeit entscheidet sich, welche Kuh Milchkuh wird und welche später für vier Monate Amme wird», fährt er fort.

Andere Eigenschaften sind gefragt

Eine gute Amme hat in der Regel zwei bis drei Kälber bei sich. Das Zuchtziel liegt in erster Linie nicht auf der Leistung. Andere Eigenschaften sind gefragt, wie die Akzeptanz fremder Kälber und ein ruhiges Gemüt. «Jeder kann damit anfangen. Wichtig ist auch dass man flexibel bleibt und Sachen anpasst, wenn etwas nicht gut funktioniert. Man darf sich nicht entmutigen lassen», so Wälle.

Über seine Erfahrungen spricht Andreas Wälle ausführlicher in der kommenden Samstagsausgabe des «Schweizer Bauer».


Verordnung des EDI über Lebensmittel tierischer Herkunft (VLtH)


10. Kapitel: Milch
1. Abschnitt: Begriffsbestimmungen und Grundsätze
Art. 32

ALT:
1 Milch ist das ganze Gemelk eines oder mehrerer Tiere der Säugetierarten nach Artikel 2 Buchstabe a, die regelmässig gemolken werden.

NEU:
1 Milch ist das durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnene Erzeugnis der normalen Eutersekretion eines oder mehrerer Tiere der Säugetierarten nach Artikel 2 Buchstabe

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