8.06.2017 12:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kälber
Bei der Milch geizen rächt sich
Kälber, die nach der Geburt genügend Kolostrum und in den ersten Lebenswochen Milch zur freien Verfügung erhalten, geben als Kuh mehr Milch. Ebenso kann ein intensives Tränkeregime den Antibiotikaeinsatz senken.

Fehler, die man in den ersten Lebenswochen eines Kalbes in der Fütterung begeht, rächen sich ein Kuhleben lang. Das belegen immer mehr Studien und Versuche. Der Grund ist die sogenannte metabolische Programmierung. Nicht alle Erbinformationen auf dem Genom werden beim Kalb ausgeprägt. Welche wirksam werden, lässt sich bis etwa 45 Tage nach der Geburt noch beeinflussen. So ist es möglich, ein Kalb noch nach der Geburt in Richtung einer möglichst hohen Futteraufnahme als Kuh zu fördern.

Intensives Tränken

Vor allem nach der Geburt hat ein sehr intensives Tränken sowohl einen positiven Einfluss auf das Wachstum und die Tageszunahmen nach dem Absetzen als auch auf die Milchleistung im späteren Leben als Kuh. Zudem sind intensiv getränkte Kälber viel resistenter gegen Krankheitserreger und leiden weniger unter Durchfall.

Laut Julia Rell vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) belegen Fütterungsversuche, dass bei den Tieren, die als Kalb intensiv getränkt wurden, Milchleistung und Futteraufnahme in der ersten Laktation erhöht sind. In der Kälbermast lohne sich ein Tränkeregime mit Milch oder Milchaustauscher zur freien Verfügung ebenfalls, betont sie: «Es wurden höhere Schlachtgewichte erzielt, und die Gesundheit scheint positiv beeinflusst zu werden.»

Antibiotikaeinsatz reduzieren

Diese Vermutung von Rell bestätigen neueste Erkenntnisse aus dem Colorispotop-Versuch, den die UFA zusammen mit der Tierarzneimittelfirma Zoetis durchgeführt hat. «Dort ging es unter anderem darum, den Antibiotikaeinsatz in der Kälbermast zu halbieren», erklärt Hansueli Rüegsegger von der UFA. «Dieses Ziel wurde erreicht. Die Voraussetzung dafür ist, dass auf dem Geburtsbetrieb die metabolische Programmierung umgesetzt wird. Dazu gehört auch die Kolostrumversorgung.»

Der Versuch habe gezeigt, dass es möglich ist, mit gesunden Kälbern den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. «Nun wollen zunehmend auch Biobetriebe ihre Kälber nach diesen Erkenntnissen aufziehen», ergänzt Rüegsegger, «wir erhielten  in letzter Zeit einige Anfragen.» Das FiBL wiederum ist gegenwärtig auf die Hilfe der Milchviehhalter angewiesen. Für das Projekt «ImproCalf» zur Verbesserung der Kälbergesundheit mit Ad-libitum-Fütterung sucht es Betriebe mit mehr als 100 Milchkühen. 

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