18.02.2020 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz
Fütterung
«Fütterungsanlagen benötigen Platz»
Automatische Fütterungsanlagen bringen neue Gefahren mit sich. Bei der Planung sind die Sicherheitsvorschriften, insbesondere Sicherheitsabstände, das Anbringen von Geländern und Not-aus-Schaltern zu beachten.

Automatische Fütterungsanlagen entlasten den Landwirt, die Tiere profitieren von der regelmässigen und frisch zubereiteten Ration und es wird gegenüber der Fütterung mit einem traktorbetriebenen Futtermischwagen CO2gespart, denn die automatischen Anlagen lassen sich mit Strom betreiben.

Sicherheit für die Kinder steht ganz oben

So erklärt Rolf Thalmann in Amriswil die Vorteile seines automatischen Fütterungssystems. In seinem Laufstall mit 42 Milch-, vier Ammen-Kühen und 20 Stück Jungvieh arbeiten schon seit Längerem ein Melk-und ein Entmistungsroboter. Im Jahr 2019 hat er zusätzlich in eine vollautomatische Fütterungsanlage investiert.

Da sich die Maschinen ohne Überwachung fortbewegen oder drehen, kommt der Sicherheit für Mensch und Tier eine grosse Bedeutung zu. Besonders wichtig ist das auf dem Betrieb Thalmann, da Ehefrau Silvia und Tochter Anja seit gut zwei Jahren die Bauernhof-Kita «chälbliland.ch» führen. Die Kinder dürfen bei den Arbeiten auf dem Bauernhof mithelfen.

Gefahren lauern

Da sie im Futtertenn gerne das Futter nachschieben, kommen sie auch in den Bereich des automatischen Futterverteilwagens, auch Futterroboter genannt. Der Futterverteilwagen ORW aus dem Optimat-System der FirmaDeLavalist einfach beschrieben ein an einer Tragschiene aufgehängter, selbstfahrender Futterbehälter mit Futteraustrag. Dieser ist beid-seitig möglich.

Thalmann hat den Roboter so programmiert, dass dieser alle zwei Stunden durch den Futtergang fährt und das Futter auf den Futtertisch ausbringt. Voraussetzung für den sicheren Betrieb automatisierter Anlagen ist die Einhaltung verschiedener DIN-Normen.

Gemäss Beat Burkhalter von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL liegen die Hauptgefahren bei der automatischen Fütterung im Eingequetscht werden zwischen Bauteilen und Fahrzeug sowie im Eingezogen werden von rotierenden Teilen, sei es beim Ausdosieren, beim Mischen oder Fördern.

Sicherheitsabstand beidseits einhalten

Der Abstand des Verteilwagens zum Fressgitter beträgt in Thalmanns Stall links 50 cm, rechts 70 cm. Um ein Eingequetscht werden zwischen Fressgitter und Roboter zu verhindern, ist ein Sicherheitsabstand des Roboters vom Fressgitter von mindestens 50 cm vorgeschrieben. Grundlage bildet die europäische Sicherheitsnorm DIN EN 349.

Besonders zu berücksichtigen sind Engstellen, die dieses Mass unterscheiten, zum Beispiel durch Stützen, Tore etc. Bei 50 cm Abstand zum Fressgitter kann auch der Kopf der Kühe beim Fressen nicht eingequetscht werden, wenn sie am Fressgitter eingesperrt sind.

Das Förderband selbst ist durch geschlossene Wände geschützt, so dass keine Berührung mit den rotierenden Teilen und kein Eingezogen werden möglich ist. DIN EN 1525 verlangt eine Not-Aus-Einrichtung. Am Futterbehälter sind dafür hinten und vorne ein farbiger «Not-Aus-Knopf» sowie ein Bügel angebracht, der auf Zug und Druck reagiert und die Maschine stoppt.

Auf Bodenfreiheit achten

DeLaval baut den Verteilwagen normalerweise 60 cm über dem Boden ein, doch Thalmann hat die Bodenfreiheit auf 120 cm erhöht und bewusst auf eine von der Firma angebotene Zuschiebe-Vorrichtung des Futters verzichtet. Denner möchte –wie er betont -im Futtertenn spielende Kinder absolut keiner Gefahr aussetzen. «Dennoch halten wir die Kinder und auch die Kinderbetreuerinnen an, zu warten, bis der Verteilwagen vorbeigefahren ist», sagt Thalmann. Die Kinder sollen lernen, dass von der Maschine Gefahren ausgehen. Nicht von ungefähr leuchtet während der Fahrt ein Blinklicht.

Thalmann sieht in der automatischen Fütterung sogar eine Verbesserung der Sicherheit gegenüber früher, als er rückwärts mit dem Futtermischwagen durch den Stall fahren musste. Waren Kinder in der Nähe, brauchte es zwei Hilfspersonen. Dank des strombetriebenen Verteilwagens entfallen der Lärm des Traktors und dessen Abgasemissionen.

Vor Stürzen sichern

Der Futtermischer und die Vorratsbehälter befinden sich auf der Heubühne und sind für Kinder ohne Begleitung nicht zugänglich. Treppen müssen durch Geländer gegen Stürze gesichert sein. Um die Tragschiene des Roboters über dem Futtergang anzubringen, hat der Landwirt den Heuboden verbreitert, so entstand eine durch ein Holzgeländer gesicherte «Galerie».

Heu und Silage fährt er mit einem Heukran vom Heulager in die Vorratsbehälter. Frequenzgesteuerte Förderböden und Haspeln legen das Futter aus den Vorratsbehältern gleichmässig auf Förderbänder, während Förderschnecken Mineralstoffe und Graswürfel in den Mischer bringen.

Not-aus-Schalter und Alarm

Wenn beim Mischen oder Verteilen etwas nicht funktioniert, dann stoppt die jeweilige Maschine und es gibt einen Alarm auf das Handy des Betriebsleiters. Der Verteilwagen arbeitet auch dann, wenn der Mischer stillsteht. «Das Futter geht somit nicht gleich aus», erklärt Thalmann. Sollte ein Problem bei der Zubereitung der Futterration oder beim Befüllen des Verteilwagens auftreten, befinden sich an jeder Ecke der «Futterküche» und am stationären Mischer Not-aus-Schalter, die miteinander verbunden sind und die Maschinen sofort stoppen.

«Bei Wartungsarbeiten muss ich die Anlage stromlos machen», fährt der Landwirt fort. Dafür gibt es bei allen Hauptgeräten einen Anlageschalter. Dieser ist nicht nur auszuschalten, sondern mit einem Schloss gegen ein Einschalten durch Dritte zu sichern.

Vor jedem Mischen und Beschicken des Verteilwagens gibt es ein akustisches Signal, das nicht nur den Landwirt darauf aufmerksam macht, dass der stationäre Mischer oder die gesamte Anlage in Kürze startet. Für die eine oder andere Kuh bedeutet dies, sich langsam von der nahgelegenen Weide oder vom gemütlichen Hochliegebett zum Melkroboter und anschliessend zum frisch verteilten Futter aufzumachen.

Sicherheitsabstand von 50 cm

Für die Personensicherheit ist das Einhalten des minimalen Sicherheitsabstandes von 50 cm rund um den Futterverteilwagen zwingend. Dieser Abstand wird als Lichtmass zwischen dem äussersten Punkt des Futterverteilwagens und dem äussersten Punkt von fixen Strukturen seitens des Gebäudes gemessen.

Er muss überall eingehalten werden: bei Pfosten, Fressgittern, Durchfahrten, Türen, Toren, Kurven, Endlagen, usw. Ein besonderes Augenmerk ist darauf zu richten, wo Türen oder Abschrankungen in diesen Sicherheitsbereich geöffnet werden und dadurch mögliche Quetschstellen entstehen.

Geländer bei Sturzkanten

Ein immer wieder aktueller Punkt bilden Sturzkanten und Podeste neben oder über dem Futtermi-scher. Podeste neben dem Futtermischer sind nur erlaubt, wenn diese mindestens 140 cm unterhalb Oberkante Futtermischer sind.

Podeste, Böden, Bühnen über dem Futtermischer sind nur erlaubt, wenn diese mit Geländern von mindestens 120 cm Höhe und gemäss Norm SIA358 ausgeführt sind. Das Beschicken des Futtermischers von Hand aus erhöhter Höhe ist zu unterlassen. 

Anlageschalter und Schulung

Das richtige und sichere Ausser-Betrieb setzen mit zentralen, abschliessbarenAnlagenschaltern ist für Service und Unterhalt zwingend. Nicht zuletzt ist auch die Schulung des Personals von zentraler Bedeutung. (Urs Schmid, Produktmanager DeLaval)

Kurzinterview mit Beat Burkhalter, Sicherheitsfachmann bei der BUL:

Wo liegen die Hauptgefahren beim Fütterungsroboter?
«Da der Roboter automatisch durch den Stallgang fährt, besteht eine grosse Gefahr darin, dass ein Mensch oder ein Tier eingequetscht wird. Sind alle Sicherheitsmass-nahmen getroffen, bestehen keine grossen Gefahren.»

Worauf sollte der Landwirt vor dem Kauf eines Fütterungsroboters achten?
«Es muss genügend Platz vorhanden sein, um die Sicherheitsdistanzen einzuhalten. Wenn die Platzverhältnisse dies nicht erlauben, ist abzuklären, ob sich Gefahrenbe-reiche während des Fütterns ohne grosse Umstände absperren lassen.»

Sollte der Landwirt die BUL anfragen, ob die Sicherheit in Ordnung ist?
«Die BUL ist eine Beratungsstelle und hilft bei Unsicherheiten auf Verlangen, vor allem dann, wenn die Komponenten von verschiedenen Firmen stammen. Gibt es Angestellte auf dem Betrieb, begutachtet die BUL das ganze System und macht gege-benenfalls Auflagen.»

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