11.09.2019 12:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Katrin Müller
Blog
Kühe werden neu gruppiert
Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin Katrin Müller gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen.

In den vergangenen drei Wochen wurde auf der Linns Farm intensiv darüber diskutiert. Ob ab September die Milchkuhherden nur noch einmal am Tag gemolken werden sollen, oder doch bis zu Weihnachten zweimal am Tag.

BCS von 700 Kühen schätzen

Spannend wurde es, als unser Manager Michael Kyle, Inhaber der Linns Farm, die Entscheidung verkündete. In den vergangenen Jahren wurden sämtliche Kühe ab Oktober nur noch einmal am Tag gemolken.

Der Body Condition Score (BCS) erleichterte die Entscheidung. Dieser wurde in der Zwischenzeit von sämtlichen Kühen geschätzt und mit einem Programm ausgewertet. Wir haben festgestellt, dass unsere Herden sehr gemischt sind. Es sind dicke sowie auch dünne Kühe vorhanden. Ein einheitliches Bild war nicht zu erkennen. Für unseren Manager war rasch klar: eine neue Herdenzusammenstellung ist nötig. Bis jetzt waren die 700 Kühe in drei Herden aufgeteilt.

Verbrauchen weniger Energie


Neu sollen die 700 Tiere in vier Herden aufgeteilt werden. Die erste Herde wird aus eher mageren Kühen bestehen. Diese werden ab Ende September nur noch einmal am Tag gemolken. Die frühe Umstellung hat gute Gründe. Unser Manager erklärte uns dies wie folgt: «Die Tiere müssen nur noch einmal am Tag den Weg zum Melkhaus laufen. Dadurch verbrauchen die Kühe weniger Energie. Reserven können wieder aufgebaut werden. Durch die bessere Kondition werden die Tiere nächste Laktation weniger anfällig auf Krankheiten sein. Auch können die Tiere die Milchmenge in Schlechtwetterwochen besser halten.»

Obschon Michael Kyle dieses Jahr weniger Milchgeld erlösen kann, helfen die Massnahmen, das Portemonnaie zu schonen und nächstes Jahr wieder mehr Erlös zu generieren.

Herdenaufteilung alt

Die erste Herde wurde als «Milkers» bezeichnet und bestand aus 2. Laktierenden und älteren Kühen. Die Zweite befanden sich alle erstlaktierenden Kühe und wurde mit dem Namen «Heifers» benannt. Die dritte Herde war die Krankengruppe und bestand aus ungefähr 25 Tieren. Die meisten Tiere dieser Gruppe litten an Mastitis oder Klauenproblemen.

Die zweite Herde besteht aus normal gewichtigen Kühen. Diese sollen erst ab Ende Oktober einmal pro Tag gemolken werden. Ihre Kondition soll stabil bleiben. Die dritte Herde besteht aus zu dicken Kühen, die bis zum Trockenstellen zweimal täglich gemolken werden. Die Reserve soll noch dieses Jahr in Milchgeld umgewandelt werden.  Die vierte Herde wird aus kranken Tieren bestehen, die wie bereits jetzt einmal pro Tag gemolken werden.

Wir erhoffen uns mit diesen Massnahmen, nächste Saison eine einheitlichere Kuhherde zu haben. Die Tiere sind in besserer Kondition auch robuster. Die Linns Farm hat ausserdem mit Paratuberkulose zu kämpfen.

Paratuberkulose ist eine chronische Darmerkrankung, die zu starkem Durchfall, Abmagern und verminderte Milchleistung führt. Diese Symptome sind unter Umständen aber erst ab dem dritten Lebensjahr der Kuh zu erkennen. Stress ist ein Hauptfaktor, der zum Ausbruch der Krankheit führt. Sie führt in den meisten Fällen immer zum Tod des Tieres. Nicht nur der Verlust der erkrankten Tiere, sondern auch die Profilaxe belastet das Farmbudget.

Bessere Kondition heisst auch geringere Anfälligkeit auf Stress. «Dadurch erhoffen wir uns weniger Tiere, die wegen Paratuberkulose ausgemerzt werden müssen», erklärt uns Manager Michael Kyle.

Betriebsspiegel

Die Linns Farm wird von Michael Kyle geführt. Er ist Inhaber und Manager. Neben der Vollzeitangestellten helfen auch drei Studenten mit. Die Linns Farm liegt in Dumfries. 700 Kühe der Rasse Kiwicross und Jersey grasen auf 380ha. Die Kühe sind das ganze Jahr draussen auf der Vollweide. Nur bei nassen Zeiten im Winter werden sie in einem offenen Laufstall gehalten.

Neuer Manager auf der Farm

Vor zwei Wochen startete unser neuer Manager Mike Maloney auf der Linns Farm. Michael Kyle, bisheriger Manager der Farm, hat so mehr Zeit für die Familie und die Betreuung der Jungtiere auf dem Betreib. Mike war in den letzten Jahren als Farmberater tätig. Seine Erfahrung will er in die Linns Farm einbringen. Mein Freund Simon und ich sind gespannt, wie er das eine oder andere Problem lösen wird. Auch wird es spannend sein, kleine Veränderungen und Verbesserungen mitzuverfolgen, die die Farm im Schwung halten.

Über uns

Katrin Müller aus Bern-Liebefeld und ihr Freund Simon Küng aus Sumiswald BE absolvieren auf der Linns Farm ein Praktikum. Beide haben die landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen und studieren an der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) Agronomie. Das erste Semester des zweiten Studienjahres absolvieren sie an der Scotland Rual College (SRUC) in Edinburgh. Beide sind grosse Naturfreunde und arbeiten gerne mit Tieren.

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