9.09.2019 18:40
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zug
Tierschützer bekämpfen Gross-Stall
Die Familie Schuler möchte für ihre Jersey-Kühe in Hünenberg einen neuen Stall bauen. Dem Grossprojekt erwächst starker Widerstand. Eine Petition will den Neubau verhindern. Schulers fühlen sich missverstanden.

In der Innerschweiz schlägt ein Stallbauprojekt seit gut einem Jahr hohe Wellen. Die Familie Schuler aus Hünenberg ZG möchte ihren Betrieb Drälikon erweitern. Dazu plant sie einen Neubau. Das Projekt «Chueweid» ist gemäss Schulers optimal abgestimmt auf Wirtschaftlichkeit, Tierwohl und Natur.

Alle Tiere unter einem Dach

Heute werden auf dem Betrieb 300 Jersey-Milchkühe und 200 Stück Jungvieh gehalten, mit dem Stallneubau soll die Kuhzahl auf 400 bis 450 Tiere ansteigen plus das Jungvieh. Die Galtkühe und ein Teil des Jungviehs befinden sich an verschiedenen Orten. Mit dem Stallneubau würden alle Tiere unter dem gleichen Dach untergebracht. 

Mit dem Neubau soll auch die Direktvermarktung der Milch weiter ausgebaut werden. Zurzeit wird der Hauptteil der 1,6 Millionen Liter Jersey-Milch im Industriemilchkanal abgesetzt. Schulers möchten ihre Milch langfristig komplett direkt vermarkten.

Landschaftsschutz und Tierschützer

Wenig erbaut über die Pläne der Bauernfamilie ist die Stiftung Landschaftsschutz (SL). Sie betitelte das Projekt im Sommer 2018 in einer Medienmitteilung als «gigantische Tierfabrik». Die SL schreibt von einem Stall mit 1040 Plätzen. Schulers hingegen planen aber mit 750 Plätzen.  

Nun haben sich weitere Gegner formiert, wie die «Zuger Zeitung berichtet». Auf der Petitionsplattform www.campax.org ist die «Petition gegen die Tierfabrik ‘Chuweid’» aufgeschaltet. «Der geplante Neubau ist eine gigantische Tierfabrik, welche es so in der Schweiz noch nie gegeben hat», heisst es dort. Der «gewaltige Neubau» schaffe Platz für 1040 Kühe. Bis jetzt haben rund 4000 Personen unterschrieben. Die Unterschriftensammlung dauert noch bis zum 31. Oktober, die Petition richtet sich an die Gemeinde Hünenberg.

«Kälber in Iglus brechen mein Herz»

Lanciert wurde die Petitio vom Verein Fluid Spirit aus Hünenberg. «Ziel und Zweck des Vereins ist es, Heimat für alle Wesen, das heisst alle Menschen, Tiere und Pflanzen dieser Welt zu schaffen», sagt Initiantin Danielle Jolissaint zur «Zuger Zeitung». Sie stört sich an mehreren Sachen. Die Haltung der Kälber in Iglus breche ihr das Herz, fährt sie fort. Es breche ihr das Herz, wenn den Kühen nach der Geburt die Kälber weggenommen würden.

Die «Tierfabrik» von Martin Schuler würde zu «noch viel mehr Tierleid» führen, erklärt Tierschützerin Jolissaint. «Auch die Tiere sind Wesen der Schöpfung wie wir Menschen und es kann und darf nicht sein, dass der Mensch aus Gier die Tiere derart ausnützt und misshandelt», meint sie. Es stört sie, dass die Milch der Kühe verkauft wird.

Viel mehr Platz für Tiere

Landwirt Martin Schuler kann die Gründe des Vereins nicht nachvollziehen. Die Haltung der Kälber in Iglus sei eine wichtige Massnahme für die Tiergesundheit und die Hygiene. Viele Bauern würden solche Iglus verwenden, sagt Schuler. «Die Tierschutznormen werden eingehalten», sagt er zur «Zuger Zeitung».

«Dieser Verein von Veganern hat mich auf der Abschussliste und will an mir ein Exempel statuieren», fährt er fort. Auch wolle er nicht 1040 Kühe unterbringen. Im Neubau sollen Kühe und Jungtiere Platz finden. «Den zusätzlichen Platz brauche ich, um den Kühen mehr Liegefläche zu bieten. Damit haben sie viel mehr Platz, als es das Minimum der Tierschutzregeln vorsieht», erklärt er.

Langer Weg

Am Neubauprojekt will Schuler festhalten. Es gehe darum, die Existenz des Betriebs zu sichern. Noch ist es aber ein langer Weg. Einer Umzonung in eine landwirtschaftliche Spezialzone muss die Gemeindeversammlung gutheissen. Die Verhandlungen mit Gemeinde und dem Kanton seien im Gang. «Sie gestalten sich sehr komplex und umfangreich», erklärt Schuler. 

Interfarm

Die Interfarm GmbH wurde 2012 von Martin Schuler für die künftige Bewirtschaftung des Familienbetriebes gegründet. 2013 wurde der Betrieb Drälikon von Bruno Schuler an  die Interfarm mit seinem Sohn Martin als Geschäftsführer verpachtet. 

Die Interfarm betrachtet sich als Produzent von gesunden und nachhaltig erzeugten Nahrungsmitteln. Ihre Kernkompetenz liegt in der Milchproduktion mit Jerseykühen. Der grösste Teil der Milch wird derzeit in die Industrie geliefert. Künftig soll die gesamte Milch über Interfarm direkt vermarktet werden. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE