11.08.2019 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Vollweide
«Umstellung braucht Mut»
Mm letzten Jahr hat Markus Käser aus Roggwil TG den Milchwirtschaftsbetrieb von seinen Eltern übernommen, heuer hat er begonnen, auf Vollweide umzustellen. Bis die 46 Kühe saisonal abkalben, werden noch einige Jahre vergehen.

Markus und Corinne Käser bewirtschaften in Roggwil TG einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 4ha Obstbau. Vor einem Jahr haben sie ihn von den Eltern von Markus Käser übernommen  – und schon auf dieses Jahr hin einige Veränderungen angestossen.

Markus Käser erzählt: «Vor zehn Jahren habe ich in Neuseeland das System der Vollweide kennengelernt und erfahren, dass man auch mit weniger Milch erfolgreich wirtschaften kann. Unsere  Obstanlage gibt viel Arbeit. Diesen Frühling beschloss ich deshalb, auf Vollweide zu setzen.» 

Rinder gezielt besamen

Die 46 Milchkühe sind allerdings noch nicht saisonal in der Abkalbung. Die Saisonalität möchte Markus Käser Schritt für Schritt innerhalb der nächsten fünf Jahre umsetzen, indem das Jungvieh, das er in den Aufzuchtvertrag gibt, zum entsprechenden Zeitpunkt besamt wird. 

Auch sonst  ist der Roggwiler Landwirt in seinem ersten Jahr als Vollweidebauer daran, Erfahrungen zu sammeln. «In meiner Gegend bin ich der einzige, der auf Vollweide setzt», musste er feststellen. «Das braucht Mut», beteuert er, «Fehler gehören dazu und werden nächstes Jahr verbessert. Ich bin froh, gibt es die IG Weidemilch mit Gleichgesinnten, mit denen man sich austauschen kann.»

Nicht ein Fehler, aber ein Kompromiss an die Leistungszucht seines Vaters ist die Fütterung im Stall, die Käser noch macht, die bei reiner Vollweide eigentlich nicht nötig wäre. «Seit April verzichte ich auf Kraftfutter», nennt Käser ein Beispiel.

«Im Moment sind die Kühe über Nacht und von frühmorgens bis am Mittag auf der Weide. Im Stall gebe ich ihnen noch etwas Heu, Luzerne und Rübenschnitzel.» Er habe nun deutlich weniger Milch im Tank als früher, die Milchleistung schätzt er auf rund 7000kg.

Weiden statt Mähwiesen

Im ersten Jahr der Umstellung beobachtet Käser auch einen Wandel im Grünland: Aus Mähwiesen werden Weiden mit dem typischen Grasbestand. Das wiederum bringe die Herausforderung der Weideplanung mit sich. «Schwierig ist, dass in der Schweiz alle gelernt haben, dass allein der Milcherlös zählt», bedauert Käser.

«Es braucht einen anderen Ansatz, das Gesamtheitliche zu sehen. Etwa die Arbeitsreduktion. Es ist schön zu sehen, wie die Kühe auf der Weide richtig fressen. Früher, als sie noch im Stall gefüttert wurden, haben sie das nicht getan.  Und mit weniger Milch auf dem Markt wäre allen geholfen.» Er sei froh, habe er bei der IG Weidemilch Gleichgesinnte gefunden, versichert er nochmals.

Umstellung braucht Zeit

Käser ist schon nach kurzer Zeit überzeugter Vollweidebauer: «Wenn man die Kuh auf die Weide lässt, mäht und bschüttet sie selber. Das ist schön zu sehen», findet er.  «Ich bin auf dem richtigen Weg, aber die Umstellung braucht einfach Zeit.»

Die IG Weidemilch

Die IG Weidemilch bezweckt die Interessenvertretung der Vollweide-Milchproduzenten mit saisonaler Abkalbung politisch, wirtschaftlich und gegenüber  Konsumenten  und setzt sich ein für die Förderung des Ansehens der Vollweide-Milch.

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