20.10.2020 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Thurgau
Aus für Freilandschweine
Im Massnahmenzentrum Kalchrain TG werden Freilandschweine gehalten. Doch nicht mehr lange. Das Amt für Raumentwicklung bewilligt die Rundbogenzelte nicht. Doch nun gibt es politische Vorstösse.

Zum Massnahmenbetrieb gehört auch ein landwirtschaftlicher Betrieb. Auf diesem werden Freilandschweine gehalten. So weit, so gut. Stein des Anstosses sind Rundbogenzelte. In diesen finden die Tiere Wasser, Futter und Witterungsschutz. Diese Zelte werden mitsamt den Schweinen alle paar Monate verschoben.

Fügen sich nicht in Landschaftsbild ein

Weil die Unterkünfte nicht dauerhaft im Boden verankert sind und regelmässig verschoben werden, war das Massnahmenzentrum Kalchrain gemäss Anfrage der «Thurgauer Zeitung» davon ausgegangen, dass keine Baubewilligung notwendig ist.

Das Amt für Raumentwicklung (ARE) des Kantons Thurgau sieht das anders. Es erteilte keine Baubewilligung. Die Rundbogenzelte stehen teilweise in einer Landschaftsschutzzone. Als störend erachtet das Amt die Form, die Farbe und das Material. Die Rundbogenzelte fügen sich «nicht ausreichend in das empfindliche Landschaftsbild» ein. 

Ende Jahr ist Schluss

Gemäss «Thurgauer Zeitung» legte das Amt für Raumentwicklung (Departement für Bau und Umwelt) dem Massnahmenzentrum (Departement für Justiz und Sicherheit) nahe, eine andere Stallform zu wählen. Zusammen mit dem Hochbauamt wurde nach einem bewilligungsfähigen mobilen Stall gesucht. 

Das Unterfangen blieb erfolglos. Aus betriebswirtschaftlichen und landwirtschaftstechnischen Gründen kam für das Massnahmenzentrum Kalchrain schliesslich keine der geprüften Alternativen in Frage. Damit ist Ende Jahr Schluss mit der Freilandhaltung. Die Zelten werden verkauft.

Das Massnahmenzentrum Kalchrain bietet männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit einer Massnahme nach dem Jugendstrafgesetz oder nach dem Strafgesetzbuch. So umschreibt das Zentrum seine Funktion.

Online-Petition

Doch der Entscheid des Amts sorgt für Wirbel. Patrick Siegenthaler aus Herdern TG hat gemäss der Zeitung eine Online-Petition an den Regierungsrat lanciert. «Kann es sein, dass in dieser Situation das Landschaftsbild mehr Gewicht erhält als das Tierwohl? Ich finde absolut nicht!». Innert weniger Tagen haben bereits 1300 Personen die Petition unterschrieben.

Kantonsrat Peter Dransfeld (GP, Ermatingen) will mit seinem Vorstoss von der Regierung wissen, welche Lösungen sich der Regierungsrat vorstellen kann, die für alle gerecht sind. Der Kanton könne Modelle entwickeln, die für andere praktikabel sind, sagt er zur «Thurgauer Zeitung».

Schweizer Tierschutz verärgert

Bei Pro Natura wird begrüsst, dass geltendes Recht im Landschaftsschutz durchgesetzt wird. Im Fall Kalchrain sei die Organisation nicht involviert gewesen, sagt Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura Thurgau. Er habe Vorschläge eingereicht, die Schweinehaltung weiter zu ermöglichen. Kappeler stören Hagelschutznetze in der Landschaftsschutzzone mehr als Rundbogenzelte für Schweine.

Kein Verständnis für den Entscheid hat der Schweizer Tierschutz (STS). Für den STS handelt es sich um die «beste Haltungsform». Die Schweine wühlen nach Futter, rennen herum und haben Schutz vor der Witterung. Um den Boden nicht zu überdüngen, würde der Standort regelmässig gewechselt. Doch dem STS sind die Hände gebunden. «Im Gegensatz zu den Naturschutzverbänden besitzen wir kein Verbandsbeschwerderecht», schreibt Heinz Lienhard, Präsident des Schweizer Tierschutzes, in einem Leserbrief in der «Thurgauer Zeitung».

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