7.06.2020 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Suisseporcs
«Schlacht mit Billigfleisch ist verheerend»
Tierschützer haben unerlaubt in Schweineställen gefilmt und sprechen von «unhaltbaren Zuständen». Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister betont, dass die QM-Vorschriften eingehalten werden müssen.

«Schweizer Bauer»: Laut der Tierschutzorganisation Tier im Fokus führen die Schweine in der Schweiz ein jämmerliches Leben. Stimmt das?
Meinrad Pfister: Tier im Fokus mit Tobias Sennhauser geht es nicht um die Verbesserung der Tierwohlstandards in der Nutztierhaltung. Als Lösung propagieren er und seine Mitstreiter die vegane Ernährung und die Abschaffung der Nutztierhaltung. Diesen Hintergrund gilt es für das allgemeine Verständnis zu kennen.

Dennoch: Auf den Videos und Fotos sind beispielsweise stark verschmutzte Schweine zu sehen.
Ich will auch keine Verstösse gegen unser Tierschutzgesetz rechtfertigen. Suisseporcs toleriert Tierschutzvergehen in keiner Art und Weise. QM Schweizer Fleisch definiert den gesetzlichen Mindeststandard, und dieser muss bedingungslos eingehalten werden. QM Schweizer Fleisch hat sich in den letzten Jahren aber auch weiterentwickelt  und unterscheidet sich deutlich von den Standards im Ausland.

Inwiefern?
Im Vergleich zu unseren Nachbarländern kennen wir bei QM ein Vollspaltenverbot, die Kastration unter Narkose, das Verbot, Zähne und Schwänze zu kupieren. Unsere Sauen können frei abferkeln, ohne Kastenstand, in geschlossenen Ställen gibts  Tageslicht. Aktuell wird  bei Proviande eine Ombuds-Meldestelle für Tierwohl eingerichtet, bei der Missstände gemeldet werden können. Wenn es Tobias Sennhauser von Tier im Fokus ums Tierwohl gegangen wäre, hätte er sofort Anzeige erstattet und nicht erst medienwirksam über ein Jahr später.

Bei der Labelproduktion sind die Tierwohlstandards höher. Ist das nicht eine Chance?
Die Labelhaltung geht bedeutend weiter, der Absatz dieses Fleisches stagniert aber leider bei 30 Prozent Marktanteil, Tendenz sinkend – und unsere Detailhändler pushen Labels kaum noch! Dies muss der Gesellschaft zu denken geben, schliesslich können wir Bauern  nur produzieren, was unsere Detailhändler verkaufen.

Zurzeit werden die Richtlinien von Terra-Suisse und Coop Naturafarm unter dem Dach von IP-Suisse zusammengelegt und verschärft. Was heisst das für die Suisseporcs?
Suisseporcs erwartet von den Detailhändlern, dass sie die Anstrengungen der Produzenten mit einer angemessenen Labelprämie entschädigen. Nur mit schönen Geschichten über Hobby- und Nischenproduktion oder vegane Innovationen in ihren Konsumentenzeitungen ist es nicht getan. Auf der Rückseite führt man dann eine unerbittliche Preisschlacht mit Billigfleisch. Das ist verheerend. Wir erwarten ein Umdenken der Verantwortlichen in den strategischen Etagen unserer Marktpartner.  

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