18.09.2019 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Wie kann man Littering vermindern?
Gedankenlos weggeworfene Abfälle – das sogenannte Littering – entlang von viel benutzten Strassen und Wegen machen den Bauernfamilien das Leben schwer. Wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Sie von Littering betroffen? Und wie könnte man Littering vermindern? Abstimmen und mitdiskutieren.

Man findet die grössten Verschmutzungen meist entlang von viel befahrenen Strassen, aber auch entlang von Fusswegen. Schweizweit verursacht das Littering gemäss Schätzungen Kosten von rund 200 Millionen Franken pro Jahr.

Abfälle wie Plastikverpackungen, PET, Glas und Alu landen in den Feldern der Bauern. Das achtlose Wegwerfen von Abfällen führen in der Landwirtschaft zu Problemen.

Kosten und Gefahr für Tiere

Für das Reinigen der Wiesen, Weiden und Äcker müssen Bauern viel Zeit aufwenden. Das Einsammeln ist ein Kostenfaktor. Denn kleine Plastikteile oder Zigarettenstummel können in die Böden gelangen und diese verschmutzen. Harte und starre Fremdkörper können zudem die Maschinen beschädigen, deren Reparaturen ebenfalls hohe Kosten verursachen.

Gravierend wird es, wenn die Abfälle in Futterflächen zu liegen kommen. Die Bauern sehen die Abfälle im hohen Gras nicht. Durch das Mähwerk werden Plastik oder Metall zerkleinert. Diese kleinen Teile gelangen in konserviertes Futter wie Heu oder Silage. Und dann wird es kritisch. Die spitzen Fremdstoffe in Form von Splittern können beispielsweise bei Kühen zu schweren, inneren Verletzungen führen. 

Tote Tiere

Die verletzte Kuh gibt weniger Milch, sie frisst weniger - und sie leidet. Die Entzündungen sind für die Tiere seht schmerzhaft. Es kommt auch zu Todesfällen, die Dunkelziffer ist aber gross. «Es gibt immer wieder Meldungen von toten Tieren infolge von Littering, aber oft bleibt es beim Verdacht. Eine Obduktion wird eher selten durchgeführt, da der betroffene Bauer selber dafür aufkommen muss», sagte Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband (SBV) im vergangenen Juni. 

Manchmal kann eine teure Operation das Sterben verhindern. Aber oft kommt eine erkrankte Kuh nicht ins Tierspital, denn für den Landwirt ist eine solche Untersuchung und Operation mit zusätzlichen Kosten verbunden. Wie Produktmanagerin Sabine Rüegsegger von der Emmental Versicherung im vergangenen Juni zum LID sagte, schliesst heute nur noch etwa ein Drittel der bei ihnen versicherten Landwirtschaftsbetriebe eine Tierversicherung ab, welche bei Unfall - dazu gehören auch Verletzungen durch Fremdkörper - die Tierarztkosten und den Schaden in Höhe des Versicherungswerts begleicht. 

Zwischen März 2017 und März 2018 sammelten über 150 Freiwillige an 112 Standorten an Gewässern in der Schweiz Abfall ein. 95'971 Gegenstände kamen zusammen. Plastik war mit 65,4 Prozent das am häufigsten gefundene Material, wie aus dem im Juni 2018 publizierten Swiss Litter Report hervorgeht. Besonders oft waren es Plastikfragmente oder kleine Stücke wie Plastikdeckel oder Wattestäbchen. Die durchschnittliche Abfalldichte betrug 67 Abfallgegenstände pro 100 Quadratmeter. Die Mehrheit des Mülls (71 Prozent) stammt demnach aus Littering vor Ort, 29 Prozent wurden aus den Gewässern angeschwemmt.

Busse oder Vebot?

Eine Massnahme, Littering einzudämmen, wäre ein Pfand auf Dosen und PET-Flaschen. Doch gegen eine Abgabe wehrt sich die Industrie. Und auch der Schweizer Bauernverband erachtet ein Pfand für nicht zielführend. Dies deshalb, weil immer mehr Kantone eine Busse für Littering einführen. Fraglich ist, ob sich Litterer von einer Busse von 40 bis 100 Franken abschrecken lassen. 

Auch Verbote von Aldudosen werden von landwirtschaftlichen Organisationen nicht angestrebt. «Für die Glaubwürdigkeit ist es wichtig, dass auch die Bauernbetriebe selber mit gutem Beispiel vorangehen und keinen Abfall rund um Haus und Hof liegen lassen», sagte kürzlich Sandra Helfenstein, Chefin der Anti-Littering-Kampagne beim SBV, gegenüber dem LID.

Doch um jemand wegen Littering zu büssen, müssen die «Täter» in flagranti ertappt werden. Dass nun die Kantone eine Art «Littering-Polizei» einführen, ist eher unwahrscheinlich. Deshalb dürfte Littering auch in den kommenden Jahren bei vielen Bauernfamilien für viel Ärger sorgen.

Wie kann man Littering vermindern? Braucht es Bussen, mehr Aufklärung oder gar Verbote? Abstimmen und mitdiskutieren

Insgesamt gelangen gemäss Studie der Empa jährlich rund 5120 Tonnen der sieben überprüften Kunststoffe in die Umwelt. Das sind rund 0.7 Prozent der gesamten Menge der sieben Kunststoffe, die in der Schweiz jährlich verbraucht werden.

Plastik lässt sich unterteilen in Mikro- (kleiner als 5 Millimeter) und Makroplastik (grösser als 5 Millimeter). Gemäss der Modellierung der Empa gelangen jedes Jahr rund 4400 Tonnen Makroplastik auf den Boden. Zusätzlich geraten gut 100 Tonnen Makroplastik in die Gewässer. 600 Tonnen Mikroplastik enden in oder auf Böden und knapp 15 Tonnen in Gewässern.

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