6.08.2020 12:57
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klimawandel
Biberratte auf dem Vormarsch
Optisch zwischen Biber und Ratte angesiedelt, hat die aus Südamerika stammende Nutria auch den Beinamen «Biberratte». Als eingeschleppte Art ist sie mit ihrem destruktivem Verhalten nicht willkommen. Der Klimawandel fördert aber ihre Verbreitung in Europa.

Seit 2015 findet sich das Nagetier auf der EU-Liste jener eingeschleppten Arten, deren Ausbreitung in Europa verhindert werden soll.

Oft ausgesetzt

Nutrias wurden vor allem im Zuge des weitgehenden Zusammenbruchs des Pelztiermarkes in Europa oft ausgesetzt. Das hatte zur Folge, dass das anpassungsfähige Tier mit etwas kleineren Massen als ein Biber in vielen Teilen des Kontinents mittlerweile gehäuft auftritt. 

Die meisten Kolonien gibt es in der Schweiz, Deutschland und Österreich, aber auch in Frankreich, Italien und Tschechien nimmt der Bestand mancherorts schon schädliche Ausmasse an, heisst es am Donnerstag in einer Mitteilung der Universität Wien.

Dürften sich im Norden weiter ausbreiten

Im Fachmagazin «NeoBiota» ging ein Forschungsteam um Anna Schertler und Franz Essl der Frage nach, in wieweit Nutrias sich in Europa noch vermehren könnten. Die auf Basis von Verbreitungsdaten der Tiere über den ganzen Kontinent hinweg und Klimaprognosen getroffene Antwort ist demnach, dass Nutrias noch viel Luft nach oben haben. 

«Es zeigte sich, dass die derzeit bekannten Vorkommen nicht einmal die Hälfte der potenziell geeigneten Fläche in Europa abdecken». Es sei daher mit einer deutlichen weiteren Ausbreitung zu rechnen, so Essl. Dazu komme, dass auch durch die klimatische Erwärmung «nördlichere Regionen zunehmend nutriafreundlicher» würden. «Wie die Art auf trockenere und heissere Bedingungen im Süden reagieren wird, sollte aber noch genauer erforscht werden», sagte Schertler.

Machen Schäden in Landwirtschaft

Der wassergebundene Pflanzenfresser bewohnt die Ufer von Flüssen, Seen, Teichen und Sümpfen. Je nach Gegebenheiten werden Höhlensysteme angelegt oder Schilfnester gebaut. Die Tiere gelten als anpassungsfähig und siedeln sich auch im urbanen Raum an.

«Bei hohen Populationsdichten entstehen beträchtliche Schäden an Uferbefestigungen und in der Landwirtschaft, etwa auf Maisfeldern. Auch natürliche Lebensräume und seltene Pflanzenarten können geschädigt werden», erläutert Anna Schertler, Autorin der Studie. Ausserdem seien Nutrias potentielle Überträger diverser Krankheiten, etwa der Toxoplasmose. 

Klar ist für die Forscher, dass Nutrias langfristig in Europa bleiben werden. Es sei daher sinnvoll, sich auf eine Reduktion der Populationsdichten und somit einhergehender Ausbreitung und Schäden zu konzentrieren. Vor allem in urbanen Gebieten ist Aufklärungsarbeit gefragt, um Wildtierfütterungen und die Folgeschäden davon zu vermeiden. Hier brauche es Aufklärungsarbeit, so die Forscher.

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