1.04.2020 18:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Machen Wildschweine Probleme?
Die Wildschweine vermehren sich stark und werden für die Schweizer Landwirtschaft zum Problem. Die Tiere verursachen immer mehr Schäden in Kulturen. Wie sieht es auf Ihren Äckern aus? Wüten dort auch Wildschweine? Abstimmen und mitdiskutieren

Eigentlich ist das Wildschwein ein typisches Waldtier. Wildschweine sind sozial lebende Tiere. Die Weibchen (Bachen) und Jungtiere (Frischlinge) bilden zusammen einen Familienverband (Rotte), der vom ältesten und erfahrensten Weibchen angeführt wird. Die 150 bis 200 Kilo schweren Tiere können bis zu 10 Jahre alt werden.

Dringt in neue Lebensräume vor

Dank seiner hohen Anpassungsfähigkeit dringt es auch immer mehr in andere Lebensräume vor, unter anderem in Landwirtschaftsflächen. Diese werden von Wildschweinen zur Nahrungsaufnahme aufgesucht. Ist die Vegetation höher als 70 Zentimeter, wird es auch als Versteck genutzt.

In der Schweiz besiedeln Wildschweine wls.ch das Mittelland, den Jura, Teile des Tessins und das Rhonetal. Auch dringen die Tiere in den Voralpenraum vor. Eicheln und Bucheckern sind wichtigster Bestandteil der Wildschweinnahrung. Auch Würmer, Käferlarven, andere Wirbellosen sowie Aas gehören auf den Speiseplan. 

120 m2 pro Tag pro Schwein

Landwirtschaftsflächen sind ein wahres Paradies für die Wildtiere. Sie finden dort ohne grosse Anstrengungen reichlich Futter. Von Frühjahr bis Herbst durchwühlt ein Wildschwein gemäss wls.ch täglich rund 120 m2 Wald- oder Wiesenland. Dies entspricht einer Fläche von rund vier Fussballfeldern pro Jahr.

Und dieses Verhalten wird für die Schweizer Landwirtschaft zunehmend zu einem gravierenden Problem. So auch für Bruno Schwab. Er bewirtschaftet in Murten FR und Gampelen BE im Seeland einen Ackerbaubetrieb. «Alle Bauern in der Region haben mit massiven Wildschweinschäden zu kämpfen», sagt er mit Blick auf seine Felder zu «Schweizer Bauer».

Lassen sich von Zäunen nicht abhalten

«Das grösste Problem beobachten wir im Mais und in den Kartoffeln, die Felder müssen wir auf Geheiss des Jagdinspektorats einzäunen. Aber die Wildschweine sind schlau und lassen sich von Zäunen nicht abhalten», fährt er fort. Nebenan im Wald befinde sich ein Schutzgebiet, in das sich die Wildschweine zurückziehen könnten.

Dass die Anzahl Schwarzkittel laufend zunimmt, bestätigt Erwin Dietrich, Erhebungsstellenleiter in Gampelen und Bewirtschafter eines kleinen Ackerbaubetriebs. Von Jahr zu Jahr würden die Probleme zunehmen. «Die Felder mit Zäunen zu schützen, bringt sehr viel Arbeit, aber kaum Erfolg», erklärt Dietrich.

Mehrstündige Sanierungen in Kürze zerstört

«Vliese, die wir aufwendig als Kälteschutz über die Kulturen legen, werden zerstört. Wiesen werden immer wieder umgegraben. Mehrstündige Sanierungen werden in einer Nacht zunichte gemacht», so Dietrich. Für ihn ist es unverständlich, dass sich Bauern noch mit den Wildschweinen beschäftigen müssen. 

«Wir wollen jetzt, speziell in der Corona-Krise, zur Versorgungssicherheit beitragen, und die Sau beschert uns Schäden bis zu einem Totalausfall der Erträge. Die Unterstützung vom Jagdinspektorat ist nicht gegeben», kritisiert er. 

Bestand hoch

Dass der Bestand steigt, bestätigt Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt gegenüber «Schweizer Bauer». Der Bestand sei hoch, die Jäger müssten reagieren. Er hat aber aus den Kantonen keine Hinweise, dass es dieses Jahr extrem viele Wildschweine gibt. 

«Eichen und Buchen tragen nicht übermässig viele Früchte. Vielleicht suchen die Wildschweine ihre Nahrung deshalb vermehrt in den Feldern», versucht er die Schäden im Landwirtschaftsland zu erklären. Auch könne der milde Winter habe dazu geführt haben, dass die Tiere früher die Felder heimsuchten, sagt Schnidrig. In den Wintermonaten seien viele Wildschweine auf Pirsch und Ansitz im Offenland geschossen worden, versichert Schnidrig.

Gefahr Schweinepest

In der Schweiz wächst die Angst einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest. «Es gilt, die Einschleppung unter allen Umständen zu verhindern», sagte Mediensprecherin Eva van Beek vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gegenüber «Schweizer Bauer» im Oktober 2018. Der Schweizerische Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs will deshalb vor allem bei den Wildschweinen ansetzen. 

«Wir fordern, dass die Wildschweinbestände massiv reduziert werden», sagte Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister gegenüber der «SonntagsZeitung» im Herbst 2018. Eine Ausbreitung der hochansteckenden Krankheit in der Schweiz könne nur verhindert werden, wenn die Wildschweinbestände «mit allen Mitteln bejagt werden», fuhr er fort.

4000 bis 10'000 Tiere werden geschossen

Als Folge der intensiven Verfolgung durch den Menschen sind sie heute meist scheu und nachtaktiv. Gesamtschweizerisch liegen die Abschusszahlen gemäss Jagd Schweiz in den letzten Jahren zwischen rund 4'000 bis 10'000 Tieren. Die Mehrheit der Abschüsse wird in den Jurakantonen, entlang dem Hochrhein sowie im Kanton Tessin getätigt

Die starke soziale Struktur ist gemäss Tierforschern der wichtigste Grund, warum Wildschweine schwer zu jagen sind.

Wie sieht es auf Ihren Feldern aus? Haben Sie Schäden zu von Wildschweinen zu beklagen? Wenn ja, haben diese zugenommen? Und unternehmen Sie gegen Wildschweine?

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