23.02.2020 10:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Uri
Sie sind auf die Geiss gekommen
Während annähernd 25 Jahren feierten Tino und Valo Gisler aus Bürglen UR mit ihren Kühen national wie international grosse Erfolge. Anfang 2016 bauten sie ihren Kuhstall in einen Ziegenstall um – jetzt feiern sie mit Ziegen grosse Erfolge.

Nachdem die  Brüder Tino und Valo Gisler mit ihren Kühen alles erreicht haben, was es zu erreichen gibt, haben sie ihre Kühe kurzerhand verkauft und ihren Stall in Bürglen umgebaut – in einen Laufstall für Ziegen. Die Plaketten, Glocken und Flots, die sie zuvor während einem Vierteljahrhundert mit Kühen gewonnen haben, schmücken den Stall noch heute.  

Gefragte Embryonen

Einer der letzten Erfolge, über den sich Tino Gisler noch immer freut, war Holstein-Kuh O’Kalibra – vor ihnen habe es noch keiner geschafft, mit einer Kuh zweimal sowohl Welt-Sieger als auch Europameister zu werden, und dass Embryonen vor allem in Nordamerika sehr gut vermarktet werden konnten. Die Umstellung von Kühen auf Milchziegen war für die beiden aber auch ein Zurück zu den eigenen Wurzeln. «Unser ältester Bruder hatte schon Ziegen, und so sind wir praktisch mit ihnen  aufgewachsen», erzählt Valo Gisler, der seit einem Jahr auch als Vizepräsident des Urner Ziegenzuchtverbands amtet.

Für beide Brüder zählt vor allem die Wirtschaftlichkeit. Sie sind sich einig: «Unser Zuchtziel besteht darin, gesunde und problemlose Tiere zu züchten. Wenn sie darüber hinaus noch schön sind, ist es für uns das Pünktchen auf dem i.» Das war schon bei den Kühen so. Und ebenso wie bei den Kühen, bei denen sie mit drei Rassen Zuchterfolge feiern konnten, halten sie jetzt auch die drei Haupt-Ziegenrassen Saanen-, Gämsfarbige Gebirgs- und Toggenburgerziege. 

Umbau auf Laufstall

Bis vor etwa zwei Jahren hielten sie noch Walliser Schwarzhalsziegen. «Mit dem Umbau in einen Laufstall war es dann aber nicht mehr möglich, diese gehörnte Rasse zu halten», erklärt Tino Gisler. Zu oft verletzten sich die Tiere gegenseitig, obschon sie einen sehr gut strukturierten Stall haben und mit über 4 Quadratmetern mehr als doppelt so viel Platz als vorgeschrieben. Auch bei den drei Hauptrassen kommen die beiden nicht ums Enthornen herum.

«Anfänglich – um 2012 – haben wir gute Zuchttiere gekauft», so Tino Gisler. Inzwischen sind sie mit Tieren aus eigener Zucht erfolgreich, haben wiederholt Kategoriensiegerinnen gestellt, mehrfach Missen, und sie haben vor etwa einem Jahr den Mutter-Tochter-Wettbewerb in Wattwil gewonnen.

Gute Böcke

«Mit Ziegen, die nur fünf Monate tragen und mehr Nachkommen haben, sind Zuchtfortschritte sogar schneller möglich als bei Kühen», meint Valo Gisler. Anderseits müssen gute Böcke von drei Rassen gehalten werden – künstliche Besamung ist bei Ziegen noch kaum verbreitet. Ausserdem kann man die Böcke nicht frei mit den Ziegen laufen lassen. «Während der Deckphase binden wir die Böcke jeweils in einem Unterstand vor dem Stall an», erklärt Tino Gisler. 

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