13.02.2017 09:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Bern
„Wir haben alle an ihn geglaubt“
Am Abend nach der unglaublichen WM-Fahrt von Beat Feuz herrscht in seinem Stammlokal, dem Gasthof Rosegg in Schangnau, reges Treiben. Die einheimischen Fans können ihre Freude und den Stolz kaum in Worte fassen.

Bekannte Lieder werden lautstark gesungen, dann wieder ein Jauchzer, ein Schnupf auf den Weltmeister und wieder das nächste Lied. Plötzlich werden Refrains bekannter Lieder wie Alpenrose in „Wäutmeischter isch üse Fööiz“ umgedichtet.

Bereits im Kindergarten der Schnellste

Wenn man jedoch den einzelnen Fan auf die persönliche Bedeutung anspricht, werden die Schangnauer wortkarger: „Huch, ig bi eifach stouz.“ Ein anderer findet es genial. Viele verneigen sich vor Feuz oder sind unglaublich stolz, dass einer vor ihnen Weltmeister ist. „So öppis gits öppä nie meh“, glaubt einer der Fans.

Lisabeth Haas erinnert sich genau, als sie das Schülerrennen gefilmt hat, als Beat noch im Kindergarten war. Er sei den Zielhang heruntergefahren wie der Blitz. „Auf dem Video sagt eine Stimme: Was ist das für einer. Potz, mit dem kommt es gut!“ Und so war es. Heute ist er Weltmeister, der Kugelblitz.

„Das ist eben Feuz“

Für Niklaus Jordi war immer klar, dass er dieses Rennen gewinnen würde. Es sei wie damals in der Emme gewesen, als sie von zirka fünf Meter hohen Felsen ins Wasser gesprungen seien. Feuz sei verschwunden und nach längerer Zeit auf einem Felsvorsprung aufgetaucht, 15-17 Meter über dem Wasser. „Wir wussten, dass er springen würde, und er sprang. Und auch heute wussten wir, dass er gewinnen würde. Nun ist er Weltmeister. Das ist eben Feuz!“, sagt Jordi stolz.

Er wohnt momentan in Langnau i.E., hätte selber Match gehabt am Abend. Doch wenn Feuz Weltmeister ist, gibt es nicht wichtigeres, als gemeinsam in der Rosegg zu feiern. „Ig las la tschäddere, wini morn ga ga wärche wiisi no nid“, so der gleichaltrige Kollege von Feuz. Auch die Jungmannschaft ist vertreten. Der zehnjährige Florian strahlt: „Vor zwei Jahren durfte ich mit Beat und seiner WM-Bronze-Medaille ein Foto machen.

„Er ist eine Festhütte“

Werner Wüthrich arbeitete während der Ausbildungszeit zum Maurer mit Beat Feuz. Verschmitzt lächelt er: „Er war eher ein Minimalist.“ Aber man habe ihn brauchen können. Feuz sei ein „Gmögiger“, der in der Gruppe sehr beliebt ist. Und eine Festhütte, wenn er Zeit hatte, dann blieb er gerne beim Feierabend-Bier.

Für Schwitter Bau AG aus Trubschachen sei der Kugelblitz der erste Sportler gewesen, der ausgebildet wurde. „Im vornherein war klar, dass er viel fehlen würde“, erinnert sich Wüthrich.  Er wohnt gegenüber dem Skilift. Seine Frau erzählt, dass während der WM-Abfahrt kaum Autos auf der Strasse im Bumbach gewesen seien. Und obwohl der Skiliftparkplatz voller Autos gewesen sei, wäre die Piste leer gewesen zu dieser Zeit.

Viel Arbeit für Rüegsegger

Der Wirt des Gasthofes Rosegg, Daniel Rüegsegger strahlt wie ein Marienkäfer. Beim genaueren hinschauen sind Augenringe zu erkennen. „Für mich persönlich ist dieser Titel einmalig. Ich habe unendlich viel Freude, ich hatte Augenwasser“, beschreibt der Beizer. Er ist persönlich befreundet mit dem neuen Weltmeister.

Besonders Erinnerungen aus der Vergangenheit, als Beat noch nicht in Österreich wohnte, fallen ihm ein. Für das Stammlokal von Feuz bedeutet der Titelgewinn viele Gäste und damit viel Arbeit. „Klar ist der Aufwand beträchtlich, doch die Freude überwiegt. Es ist einfach nur genial!“, weiss Rüegsegger.

Ane könnte ein Buch füllen


Einer der besten Kollegen ist Ane. Er kennt viele spannende Anekdoten, könnte wahrscheinlich sogar ein Buch füllen. Er ist sich sicher: „Kein anderer hätte diesem grossen Druck standhalten können. Das ist einfach nur sensationell.“, bewundert Ane die enorme Leistung. „Ich habe noch nie gesehen, dass ein Volk für einen Fahrer so aufsteht wie in Wengen, in Kitzbühl und nun in St. Moritz. Und dies für unseren Kobold!“, staunt er.

Kobold dürfen den Kugelblitz nur seine besten Kollegen nennen. Weiter erinnert sich Ane, das er, Beätu und Fäbu vor mehreren Jahren am Bumbachskilift ein Wettrennen gemacht haben. Alle starteten gleichzeitig, gewonnen hatte, wer zuerst unten war.  „Bei der ersten Kuppe hat uns Feuz in der Luft überholt, er blickte zurück, mit einem Lächeln im Gesicht!“, beschreibt Ane. Schon damals sei er frech gefahren, wie heute noch.

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