12.08.2019 08:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Katrin Müller
Blog
60 Hektaren Silage verregnet
Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin Katrin Müller gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen. -> Mit Video

Letzte Woche wurden am Samstag 60ha Gras für die Silageproduktion gemäht. Dafür hat Michael Kyle ein Lohnunternehmen engagiert. Bereits am Samstag nach dem Melken haben wir das Fahrsilo abgedeckt. Alles war bereit zum Einfüllen. Doch das Wetter änderte. In der Nacht von Samstag auf Sonntag zogen kräftige Regenschauer über die Farm. Trotzdem wurde einsiliert. 

Hohe Kosten - Schlechte Qualität

Nicht nur die Qualität der Silage wurde schlechter, sondern auch der Boden hat gelitten. Die schweren Traktoren haben deutliche Spuren auf der Parzelle hinterlassen. Das neu mit rund 2500 Tonnen gefüllte Fahrsilo haben wir anschliessend wieder zugedeckt. Über 400 Pneus wurden auf der ganzen Fläche verteilt. Zum Glück waren wir zu fünft, um diese anstrengende Arbeit zu erledigen.

Rund 105 Pfund pro Hektar kostet das Lohnunternehmen für die Silageproduktion. Die Silagequalität wird jedes Jahr gemessen.  Es sei nicht schlimm, wenn die Silage nicht von Top-Qualität sei. «Den Kühen muss in der Galtphase zugefüttert werden, wobei die Qualität der Silage von geringerer Bedeutung ist», erklärte uns Michael Kyle, Inhaber und Manager der Linns Farm. Bei schlechter Qualität der Silage mischt Michael der Futterration deutlich mehr Soja dazu. Die Kühe sollen in dieser Zeit Reserven bilden.

Zwei Schnitte pro Jahr

Diese Ernte war die Zweite von zwei Schnitten, ab jetzt werden auch diese Flächen geweidet.

Jakobskreuzkraut muss weg

Ausserdem haben wir diese Woche mit dem Ausreissen des Jakobskreuzkrautes begonnen. Überall auf den 380 ha hat sich die Pflanze in den letzten Jahren ausgebreitet. Es sei das erste Mal in seinen 13 Jahren auf dieser Farm, dass er dieses Unkraut ausjätet, erklärt Michael. Nun wurde es aber dringend nötig. Stellenweise war alles gelb übersät. 

Wir halfen alle einander. So wurden wir schneller fertig und die mühsame Arbeit wurde so nicht langweilig. Auch Michael half trotz Stress im Büro mit und nannte diese Arbeit «a team building event». Übersetzt: ein Teambildungsanlass.

Betriebsspiegel

Die Linns Farm wird von Michael Kyle geführt. Er ist Inhaber und Manager. Neben der Vollzeitangestellten helfen auch drei Studenten mit. Die Linns Farm liegt in Dumfries. 700 Kühe der Rasse Kiwicross und Jersey grasen auf 380ha. Die Kühe sind das ganze Jahr draussen auf der Vollweide. Nur bei nassen Zeiten im Winter werden sie in einem offenen Laufstall gehalten.

Quad, der beste Helfer

Am Quad haben wir einen kleinen Anhänger angekoppelt. An Stellen mit viel Unkraut konnten wir so immer ranfahren und mussten die Pflanzen nicht weit tragen. Jede Parzelle fuhren wir mit dem Quad ab. Zum Glück sieht man die gelb blühenden Jakobskreuzkräuter von weitem sehr gut. 

Auf dem Feuerplatz haben wir alle ausgejäteten Pflanzen auf einen Haufen abgeladen. Dort wurde ein riesiges Feuer entfacht, sobald genügend Material zusammen getragen war.

Weideschuss

Auch in der Krankenherde war Aussergewöhnliches los. Der Tierarzt musste auf den Betrieb kommen, da eine Kuh nicht mehr aufstehen konnte. Um diese Jahreszeit dürfte das eigentlich nicht sein. Probleme mit Aufstehen haben die Kühe vor allem in der Zeit nach dem Abkalben. Sie leiden häufig an Mineralstoffmangel. 

Schnell hat der Tierarzt festgestellt, dass diese Kuh wohl kein Mangel hat. Er vermutete ein schmerzhafter Bandscheibenvorfall, nachdem wir ihm berichteten, dass die Kuh einen merkwürdigen Laufgang hatte. Leider kann man da nicht viel dagegen tun. So beschloss Michael, nach zwei Tagen ohne Besserung, die Kuh direkt auf der Weide zu erschiessen.  

Für uns ist das ein grosser Vorteil, solche Dinge zu sehen und zu erleben. Auf grossen Farmen passieren seltene Dinge häufiger. So sieht man auf dieser Farm in einem Jahr, was man auf einem Betrieb mit 30 Kühen in 20 Jahren sehen würde.

Über uns

Katrin Müller aus Bern-Liebefeld und ihr Freund Simon Küng aus Sumiswald BE absolvieren auf der Linns Farm ein Praktikum. Beide haben die landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen und studieren an der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) Agronomie. Das erste Semester des zweiten Studienjahres absolvieren sie an der Scotland Rual College (SRUC) in Edinburgh. Beide sind grosse Naturfreunde und arbeiten gerne mit Tieren.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE