19.03.2019 06:51
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Aussterben und Blütezeiten von Pilzen
Als ein Meteorit einschlug und die Dinosaurier ausstarben, liess das die Pilze ungerührt. Zuvor waren sie allerdings durchaus einmal in Not. Wissenschaftler haben die bewegte Geschichte der Gesellen mit Hut und Stiel anhand der DNA von mehr als 5000 Pilzarten nachvollzogen.

Die untersuchten «Agaricomycetes», zu denen etwa Fliegenpilze, Champignons und Parasole gehören, begannen sich in der Jura (vor 201 bis 145 Millionen Jahren) in verschiedene Klassen aufzuteilen, als das Klima warm war und auch die Nadelhölzer sich in den Tropen und Subtropen ausbreiteten, so die Wissenschaftler um Laszlo Nagy von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. 

An der Grenze zur nachfolgenden Kreidezeit (vor 145 bis 66 Millionen Jahre) gab es bei den Pilzarten allerdings ein Massenaussterben, erklären die Forschenden im Fachjournal «Nature Ecology and Evolution». Damals änderten sich die Bodenverhältnisse, was den Pilzen möglicherweise übel mitspielte.

Stiel, Hut und Lamellen

Die Bedingungen in der Kreide passten ihnen jedoch wieder, ebenso im nachfolgenden Paläogen (vor 66 bis 23 Millionen Jahren, früher Tertiär genannt). Die «Agaricomycetes» entwickelten in dieser Zeit ihr heutiges, klassisches Erscheinungsbild mit Stiel, Hut und Lamellen. Dies war wohl eine Schlüsselerfindung in der Pilzentwicklung, denn daraufhin entstanden besonders viele neue Arten, so die Forscher, zu denen auch der Salzburger Pilzexperte Wolfgang Dämon gehört. Er steuerte die Identifikation einiger bisher unbekannter Arten zu der Studie bei.

Die Katastrophe, die zum Untergang der Dinosaurier an der Kreide-Paläogen-Grenze (vor 66 Millionen Jahren) führte, machte den Pilzen offensichtlich nichts aus, in ihrem Stammbaum sind aus dieser Zeit keine Signale eines Massenaussterbens zu erkennen, berichten die Wissenschaftler. 

Auffächerung in verschiedene Arten

Möglicherweise profitierten sie sogar davon, dass viele Bäume aufgrund der Folgen des Meteoriteneinschlages darnieder lagen. Es folgte ihre Blütezeit während einer Epoche, als auch die Nacktsamer, wie Ginkgo, Nadelhölzer und Palmfarne, sowie Reptilien vom feuchten Klima profitierten und sich in unterschiedlichste Arten auffächerten (Mesozoikum/Känozoikum - Auffächerungs-Ereignis).

Heute zeichnet die «Agaricomycetes» eine Besonderheit in der Verbreitung aus. Während bei allen untersuchten Pflanzen und Tieren die Artenvielfalt von den Polen zu den Tropen zunimmt, hat sie bei den Pilzen in den Gemässigten Zonen ihren Höhepunkt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE