23.02.2020 17:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Coronavirus: Tessin reagiert
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ergreift trotz steigender Zahl an Coronavirus-Erkrankten im Nachbarland Italien bislang keine weiteren Massnahmen wegen des Virus. Die Schweizer Behörden beobachten die Situation aber «genau».

Das teilte das BAG am Sonntag auf anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Die Situation könne sich jedoch schnell ändern. Die Lage in Italien bezeichnet das BAG als einen «lokalen Ausbruch», der mit allen Mitteln unter Kontrolle gebracht werden müsse.

Derweil steigt im Tessin die Sorge um ein Übergreifen des Coronavirus. Das Kantonsgebiet reicht wie ein Stachel in die Lombardei hinein. Zudem arbeiten im Tessin zirka 68'000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger, das heisst Personen, die täglich von den italienischen Grenzregionen zur Arbeit ins Tessin pendeln.

Tessiner Notaufnahmen reagieren

Die Notaufnahmen der Tessiner Spitäler haben bereits reagiert. Personen mit Grippesymptomen werden isoliert und in Quarantäne gebracht, wie die Sonntagszeitung «Il caffè della domenica» berichtete. Dies gilt für alle Patienten mit diesen Symptomen; bisher war dies nur für Patienten vorgesehen, die sich in jüngster Zeit in China aufgehalten hatten. Bisher wurde aber noch niemand unter Quarantäne gestellt.

Der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani erklärte am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass man die Lage und Entwicklung analysiere. «Die ganze Angelegenheit ist grösser als es anfänglich schien», sagte er.

Merlani ruft dazu auf, im Falle von Beschwerden, sich nicht persönlich zu den Gesundheitseinrichtungen wie Spitäler zu begeben, sondern sich per Telefon mit dem Hausarzt oder der Notzentrale in Verbindung zu setzen. Am (morgigen) Montag werde  eine erweiterte Koordinationsgruppe tagen, um allfällige weitere Massnahmen zu beschliessen.

BAG mahnt zur Ruhe

Daniel Koch, Leiter übertragbare Krankheiten beim BAG, mahnte am Samstag in Bezug auf das Tessin zur Ruhe. Selbstverständlich sei die Situation beunruhigend. Es handle sich aber um einen lokalen Ausbruch und keine Epidemie. Es sei zu früh davon zu sprechen, dass eine Welle auf die Schweiz zurolle.

Massnahmen an den Grenzen sind entsprechend keine geplant. Auch die SBB hat bezüglich des grenzüberschreitenden Schienenverkehrs aktuell keine Massnahme getroffen. «Wir stehen in engem Kontakt mit dem BAG, welches Empfehlungen abgibt und Massnahmen anordnet», sagte SBB-Sprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage.

Für den grenzüberschreitenden Schienenverkehr müssten einheitliche Massnahmen gelten, da sich das Streckennetz zahlreicher anderer Transportunternehmen wie jenes der Rhätischen Bahn, der Deutschen Bahn und des Flixbus über die Grenzen erstrecke.

Laut BAG wären schärfere Grenzkontrollen aber sowieso nicht zielführend. Koch sagte gegenüber SRF, dass im Falle einer Epidemie in Europa es unmöglich sei, die Verbreitung der Grippe zu stoppen. Europa sei zu stark vernetzt.

Strategie Quarantäne

Zur Strategie der Schweiz gehört bisher, dass in der Schweiz wohnhafte Personen, die in Corona-Gebieten waren - insbesondere in China oder auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen auf asiatischen Gewässern - nach ihrer Rückkehr in Quarantäne gesetzt werden.

Am Samstag hat das BAG die Quarantäne gegen 12 Schweizer Passagiere, die auf dem Kreuzfahrtschiff MS Westerdam von Kambodscha unterwegs waren, aufgehoben, wie Koch gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte. Am Freitag waren noch 20 Personen in ihren Wohnkantonen in Quarantäne gewesen.

In der Schweiz ist bis bislang kein Fall einer infizierten Person bekannt. Bisher waren alle 280 Verdachtsfälle negativ. Italien zählt aktuell die meisten Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2 in Europa. Nach den beiden Todesfällen, die am Freitag und Samstag gemeldet wurden, ist die Zahl der Infizierten inzwischen auf über 130 gestiegen.

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