31.05.2020 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - czb
Bern
Der Stall muss weichen
Für den Bau der neuen V-Bahn musste Beat Aeschlimann seine Scheune verschieben. Während der eigentliche Stall unten derzeit noch zum Melken der Kühe genutzt wird, ist der obere Teil um etwa 30 Meter versetzt worden.

Vor 14 Jahren hat Beat Aeschlimann, Landwirt in Grindelwald BE, einen neuen Stall gebaut. Jetzt  verlangte das Bundesamt für Verkehr (BAV), dass dieser eigentlich noch neue Stall weichen muss. Die Sicherheit der neuen V-Bahn, einer Gondelbahn, die Grindelwald ab der nächsten Wintersaison mit dem Eigergletscher verbinden soll, wäre im Falle eines Brandes nicht gewährleistet, so die Begründung. So musste die Scheune um etwa 30 Meter versetzt werden.

Die Kosten

«Ich stellte die Bedingung, dass die Jungfraubahnen den angrenzenden Boden erwerben und mir zur Verfügung stellen müssen, sodass der Stall weiter auf meinem Boden steht», erklärt Aeschlimann. Die Jungfraubahnen haben ausserdem versprochen, für die Kosten aufzukommen, die mit der Verschiebung entstehen. Zu Aeschlimanns Lasten ginge einzig die Vergrösserung des Stalls, namentlich der Bau von einem neuen Laufstall-Bereich für Rinder, sowie die neue Garage für die Landmaschinen.

Der Erwerb der zwei benachbarten Grundstücke, auf denen der neue Stall entsteht, erwies sich jedoch als anspruchsvoller als angenommen, sodass sich das Projekt verzögerte. Man konnte   erst im letzten Frühling damit beginnen, die in dem steilen Terrain nötigen Stützmauern zu bauen sowie Fundamente und Güllenkasten zu betonieren. Im letzten Sommer brachte Aeschlimann  nur noch so viel Heu in seine Scheune ein, wie er bis zum Frühling 2020 verfüttern kann. Den Rest hat er zu Ballen gepresst, die er jetzt an seine Kühe verfüttern kann.

Speditive Verschiebung

Die bisherige Scheune musste bis Anfang April leer sein. Samt allen Einrichtungen. Auch der Heukran musste abmontiert werden. «Ohne den Heukran fühlte es sich für mich an, als hätte ich nur einen Arm, um zu arbeiten», erzählt Aeschlimann. Im darunter liegenden eigentlichen Stall hat Aeschlimann weiter seine Kühe gemolken, während gleichzeitig die einzelnen Elemente der darüber liegenden Scheune auseinandergeschraubt wurden. Die Verschiebung der Scheune ging recht speditiv voran, sodass innert zwei Wochen sowohl die Elemente der Scheunenwand  zusammengesetzt als auch der Heukran wieder montiert waren.

Während die Scheune damit praktisch nur verschoben wurde, wurde der untere Teil, der eigentliche Stall, gespiegelt. Das liegt daran, dass sich der Mistplatz immer noch an derselben Stelle befindet, nun aber von der anderen Seite an den Stall angeschlossen ist. Sobald die Kühe Anfang Juni auf die Alp gehen, wird Aeschlimann auch die Stalleinrichtung, einschliesslich der bisherigen Rohrmelkanlage, abbauen und 30 Meter daneben wieder montieren. Bis die Kühe im Herbst von der Alp zurückkehren, sollen alle Arbeiten, auch der Abbruch des bisherigen Stalls, abgeschlossen sein.

Arbeiten  in Absprache

Aufgrund der anfänglichen Verzögerungen sind nun  neue Probleme entstanden, dies weil die Seilbahnbauer derzeit die Seile einziehen. Während dieser Zeit darf darunter nicht gleichzeitig gearbeitet werden. Aeschlimann musste aus diesem Grund   den Baukran, den für den Abbruch des bisherigen Stalls noch benötigen wird, vorübergehend abbauen – während er für einige andere Kran-Arbeiten seinen Heukran etwas zweckentfremdet hat. Sogar das Einbringen vom frischen Heu darf aus Sicherheitsgründen nur in Absprache mit den Seilbahnbauern erfolgen.

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