28.12.2018 18:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Esther schaut zurück
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende.

Ich kann es kaum glauben, dass schon wieder ein Jahreswechsel ansteht. Gleichzeitig könnte ich Bücher füllen, mit Erzählungen aus dem 2018. Für uns war es ein intensives Jahr mit unglaublich vielen schönen Momenten und wenig Langeweile.

Januar – Töbu ist im Militär, so bin ich „Tätschmeister“

Das Jahr begann mit dem letzten WK von Töbu. Wie schon im Dezember 2017 war er im Militär, diesmal für vier Wochen. Zwar haben wir einen zuverlässigen Kollegen, der am Morgen und bei Bedarf am Abend die Tiere fachmännisch versorgt. Dennoch blieb viel an mir hängen und ich realisierte zum ersten Mal bewusst, was Töbu tagaus tagein alles managt.

Februar – Erste grosse Kälte im neuen Stall

Wir und aus unserer Sicht auch die Tiere fühlen sich sehr wohl im neuen Stall. Mit der grossen Kälte Ende Februar wurde unser Offenfront-Stall auf die Probe gestellt. Wir lernten rasch sehr viel. Melken konnten wir immer, auch das Wasser fror nicht ein und den Tieren schien es gut zu gehen. Einzig das Misten war nicht mehr möglich.

März – Tag der offenen Tür

Anfang März musste ich mich einer Operation unterziehen lassen. Ich erholte mich schnell und trage keine Folgen vom Eingriff. Mir wurde eindrücklich gezeigt, dass Gesundheit ein wertvolles Gut ist.

Ein grosses Highlight in diesem Jahr war das grosse Interesse an unserem Stall über das Osterwochenende. Über 2000 Gäste besuchten uns trotz kalten Temperaturen am Tag der offenen Tür. Gerne blicken wir auf diesen Anlass zurück.

April – Frühlingserwachen

Alle sprachen von einem langen Winter und einem späten Frühling. Und plötzlich war er da. Wie aus dem Nichts wuchsen die saftigen Gräser aus dem Boden. Für mich war es rein von der Vegetation her wohl der schönste Monat. Besonders der Ausflug in den Bergfrühling auf die Pfidertschegg Ende April bleibt mir in wunderbarer Erinnerung.

Mai – Hofprüfung und Alpauffahrt

Ich bin froh, ist der erste Teil der Hofprüfung vorbei. Obwohl ich mir in den Finger schnitt, verlief sie recht gut. Im Frühjahr 2019 muss ich dann bei der zweiten Hofprüfung und bei den Abschlussprüfungen mein Wissen als Landwirtin unter Beweis stellen.

Mit dem Abhaken der ersten Hofprüfung hatte ich endlich Zeit, mich auf die Alpauffahrt zu freuen. Dies ist für mich immer einer der wichtigsten Tage im Jahr. Voller Emotionen und Gänsehaut starteten wir am 25. Mai in eine kurze aber erfolgreiche Alpsaison.

Juni – Arbeitsspitze

Wie immer war auch in diesem Jahr der Juni der strengste Monat; Abschluss in der Primarschule als Lehrerin, letzte Tests in der Berufsschule als Lernende, als Landwirtin alle anfallenden Arbeiten wie die Ernte, das Versorgen der Tiere, Weidepflege und so weiter. Wir sind an der Arbeitsbelastung gewachsen und wissen nun noch besser, wo unsere Stärken und Schwächen liegen. Dennoch wollen wir solche Arbeitsspitzen künftig nicht unnötig hervorrufen.

Juli – Start mit dem Bau der Strasse

Viele Jahre dauerte die Planung des Neubaus der Alpzufahrt auf die Pfidertschegg. Zeitweise haben wohl fast alle nicht mehr daran geglaubt. Dann am 2. Juli der magische Moment: Die Baumaschinen wurden aufgefahren. Rasch wurde das Projekt realisiert und im November der Rohbau fertiggestellt. Wir sind sehr froh und stolz über diese Realisation.

August – Verfrühte Alpabfahrt

Auch wir kämpften mit der Trockenheit. Auf der Alp floss zu wenig Wasser aus der Quelleum alle Tiere zu versorgen. So transportierten wir die zwölf laktierenden Kühe rund zwei Wochen früher als gewohnt nach Hause. Die Galtkühe und Rinder blieben wie immer 100-120 Tage oben. Doch jammern wollen wir nicht, es hätte uns viel schlimmer treffen können.

September und Oktober – alles läuft rund

Wie immer waren die Herbstmonate geprägt von Geburten, Zäune erstellen für die Herbstweiden und Arbeiten auf der Alp, um alles winterfest zu machen. Wir können zwei Monate verzeichnen , die zu unserer vollsten Zufriedenheit verlaufen sind. Eine Bereicherung waren sicher die Arbeitseinsätze von den Jugendlichen, organisiert durch die Stiftung Umwelteinsatz Schweiz.

November – Besuch aus der Westschweiz

Auch der November verlief „normal“ und wir konnten viele liegengebliebene Pendenzen erledigen. Besonders gefreut hat mich der Besuch von einem Bauern aus dem Kanton Waadt. Er lese jeweils meinen Blog und wolle nun mal vorbeischauen. Sowieso werde ich immer wieder auf den Blog angesprochen. Das Interesse freut mich und auch die kritischen Kommentare bringen mich weiter. Etwas Spezielles ist auch die hohe Klickzahl von meinem Youtube-Video im November. Mittlerweilen sind es über 27‘900!

Dezember – kein BVD

Die Hiobsbotschaft erreichte uns am 6. Dezember: Verdacht auf BVD, weil die Kuh Turangi, die wir im vergangenen Winter verkauften am Virus erkrankt sei. Zwei Wochen später endlich der Bericht: Unsere Tiere wurden alle BVD-negativ getestet. Ein grosser Stein fiel uns vom Herzen, gleichzeitig bleiben aber viele Fragen offen.

Der momentane Besitzer von Turangi gab in einem Telefonat an, dass der zweite Test negativ gewesen sei, die Kuh also kein BVD habe und noch am Leben sei. Zudem wurden alle Kühe, die wir verkauft haben, aufgesucht und getestet. Die Rinder, die bei uns in der Sömmerung waren, jedoch nicht.

Zusammenfassung: ein Jahr, das sich wiederholen könnte, geht zu Ende.

Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr mit vielen schönen Momenten zurück. Uns ist bewusst, dass nicht alle Landwirte das gleiche Glück hatten. Wir wünschen uns allen ein frohes neues Jahr mit viel "Gfröitem" in Haus, Hof und Stall. 


SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE