13.11.2018 19:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Justiz
Gericht: Bauer atmet auf
Ein Aargauer Landwirt hat sich gegen eine Schadenersatzforderung der Gebäudeversicherung durchgesetzt.

In einer zweiten Verhandlung wies das Bezirksgericht Lenzburg die Schadenersatzforderung von 600'000 Franken der Aargauischen Gebäudeversicherung gegen einen 35-jährigen Landwirt aus Möriken ab. Der Bauer wollte im September 2013 auf dem Hof des Vaters mit einer Trennscheibe hervorstehende Schrauben an der Selbsttränkeanlage im Stall entfernen. Durch den Funkenwurf entzündeten sich Gase aus der Jauchegrube unter dem Arbeitsplatz. Eine Stichflamme schoss bis zur Decke und steckte das Strohlager in Brand. Die Scheune brannte nieder.

Das Bezirksgericht verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 4200 Franken und zu 840 Franken Busse. Zudem erhob die Gebäudeversicherung wegen fahrlässigen Handels eine Schadenersatzforderung von 570'000 Franken plus Zinsen. Das kantonale Obergericht wies den Entscheid jedoch zur Neubeurteilung an die erste Instanz zurück. Die Kernfrage war, ob der Landwirt, der inzwischen den elterlichen Hof übernommen hat, fahrlässig handelte.

Zur Klärung zog das Bezirksgericht einen Sachverständigen bei. Dieser, ein Feuerwehrinstruktor und selber Milchbauer, kam zum Schluss, der Beschuldigte habe die nötigen Sicherheitsvorkehren  getroffen, indem er den Spaltenboden über der Jauchegrube vor Arbeitsbeginn abgedeckt habe. Er selber, sagte der Gutachter, hätte nicht anders gehandelt.

Das Gericht schloss sich seinen Erkenntnissen an, womit der Vorwurf der Fahrlässigkeit vom Tisch war und kein Grund mehr für eine Schadenersatzforderung bestand. Die Gebäudeversicherung hatte schon vor dem Urteil mit dem Bauer vereinbart, dass die Forderung im Fall eines erneuten Schuldspruchs von rund 600'000 auf 30'000 Franken reduziert würde, um den Landwirt nicht in den Ruin zu treiben.  

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