9.10.2019 09:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Getötete Hunde:Halterin vor Gericht
Opfer oder Täterin: das muss das Regionalgericht in Burgdorf im Fall einer Hundehalterin entscheiden, deren drei Tiere im Februar 2018 qualvoll verendeten. Sie hatten Giftköder verschluckt.

Die präparierten Cervelats enthielten Rasierklingen und Stecknadeln, wie aus der Anklage hervorgeht. Auch Rattengift wurde nachgewiesen. Vor Gericht stand am Mittwochmorgen aber nicht etwa irgend ein mutmasslicher Hundehasser, sondern die Halterin von Jagdterrier «Franky» und den beiden Malinois «Hidalgo» und «Dart».

Verteidiger mit harten Worten

Dass seine Mandantin als Angeklagte vor dem Gericht stehe, sei «ein Skandal», fand der Verteidiger harte Worte. Die junge Frau sei nicht Täterin, sondern Opfer. Die Strafverfolgungsbehörden hätten sich mit Tunnelblick auf seine Mandantin eingeschossen und es sich zu einfach gemacht. Natürlich habe die junge Frau damals hohe Schulden gehabt und sei wohl mit ihren drei nicht einfachen Hunden an ihre Grenzen gestossen. 

Doch wäre sie wohl kaum mit den schwer kranken Tieren spätabends noch in eine Tierklinik gefahren für eine Notoperation, wenn sie ihre Hunde hätte los haben wollen. Sie hätte sie einfach verenden lassen können, das wäre wesentlich einfacher gewesen, folgerte der Verteidiger.

Reihe von Indizien

Die Ermittler hätten im Wohnumfeld der Frau auch nur mit dem Siedlungsabwart und einer Bewohnerin gesprochen, obschon sich offenbar sehr viele Nachbarn an dem Hundegebell gestört hatten, führte der Verteidiger weiter aus. Die Frau dürfe nicht aufgrund «hemdsärmliger und haltloser Vorwürfe» verurteilt werden, sondern sei in allen Punkten freizusprechen, so der Verteidiger.

Die Anwältin des kantonalen Veterinärdienstes hingegen forderte für die Angeklagte eine angemessene Strafen und die Auferlegung der Verfahrenskosten. Direkte Beweise konnte die Anklage nicht vorbringen. Aber es gebe eine ganze Reihe von Indizien, die den unzweifelhaften Schluss zuliessen, dass die Frau ihre Hunde qualvoll getötet habe, um an Geld zu kommen.

Kein Opfer

Die Hundehalterin hatte nach dem Tod ihrer drei Tiere in den Sozialen Medien einen Spendenaufruf platziert, um die Kosten für die Notoperation aufzutreiben und Opfern in einer ähnlichen Situation zu helfen. Das Mitleid war gross und so kamen laut Überweisungsbeschluss rund 19'000 Franken zusammen.

Eines der Indizien, das die Anwältin anführte, war der Hundekot, der im Garten der Angeklagten gefunden wurde. Dieser enthielt Rattengift. Da das Gift ein bis zwei Tage braucht, bis es ausgeschieden wird, geht die Anklage davon aus, dass den Hunden zuerst Rattengift gefüttert wurde und erst am Tattag die Cervelats mit den Rasierklingen und Stecknadeln. Es sei unwahrscheinlich, dass jemand gleich zweimal Köder im Garten der Frau platziert habe, so die Sicht der Anwältin.

Nicht mit Polizei zusammengearbeitet

Die Rechtsvertreterin der Veterinärbehörden gab auch zu bedenken, dass der Vater der Hundehalterin den Ermittlern berichtete, er habe einmal eine Nadel in einem Pouletstück gefunden, das seine Tochter gekocht habe. Weiter ging die Anwältin auch auf das Verhalten der jungen Frau nach dem Tod der Hunde ein. In den Medien habe sie sich als Opfer präsentiert und den unbedingten Wunsch geäussert, dass die Täterschaft gefunden werde. Doch mit der Polizei zusammenarbeiten, habe die Frau nicht gewollt.

Die Anwältin räumte ein, dass sich viele Nachbarn über die Hunde und deren Gebell aufgeregt hatten. Schliesslich wurde der Frau die Wohnung gekündigt. Damit hätten die Nachbarn ja aber erreicht, was sie wollten, folgerte die Rechtsvertreterin des Kantons. «Warum sollten sie also die Hunde noch töten wollen?», fragte sie.

Spontane Entscheide

Die junge Frau habe die Angewohnheit, spontan zu entscheiden, ohne die Folgen zu bedenken. So habe sie sich in die Schulden geritten. Auch der Tod der Hunde war ihrer Ansicht nach ein solch spontaner, unüberlegter Entscheid.

Kurz nach dem Tod der Hunde meldete sich die Polizei bei der Halterin und durchsuchte das Haus. Anfang Jahr erhielt die Oberaargauerin einen Strafbefehl, der sie zu einer bedingten Geldstrafe verurteilte, weil sie ihren Hunden Rattengift, Rasierklingen und Stecknadeln gefüttert habe. Sie focht den Strafbefehl wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetzes und Betrugs an. Das Urteil wird am Nachmittag eröffnet.

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