17.01.2019 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Holstein-Tiere im falschen Stall
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende.

Während den Winterferien war ich seit längerem wieder einmal «Vollzeit-Bäuerin». Da Ariane Ferien hatte, übernahm ich den «Lehrlings-Job». Ich half am Morgen Töbu im Stall, war bei Geburten dabei und beschäftigte mich auch tagsüber im Stall. Mir wurde erst da bewusst, dass ich die Stallarbeiten eigentlich vermisse. 

Januar: Übertrittsgespräche

Nun bin ich mitten in den Elterngesprächen, die Sek-Übetritte stehen an. So bin ich wieder vermehrt im Schulhaus tätig und habe mich auf dem Hof mehr oder weniger rausgenommen. Die Elterngespräche sind meist interessant, konstruktiv und bereichernd, jedoch auch zeitaufwändig. Ich bin nicht traurig, wenn sie abgeschlossen sind. 

Weltcup-Adelboden 

Nebst der Schule bin ich auch sonst viel unterwegs. Beispielsweise half ich wie jedes Jahr beim Weltcup in Adelboden mit. Seit der Studenten-Zeit sind wir eine feste Gruppe, die immer am Samstag im VIP-Zelt beim Mittagessen serviert. Das macht mir Spass, bringt mir einen Ausgleich und auch einen gesunden Abstand zu meinem Berufsalltag.

Und auch so, bin ich wieder nicht auf dem Hof. Sagen, dass ich Bäuerin bin, kann ich momentan fast nicht. Oder wenn, dann nur theoretisch, in der Nachholbildung, welche langsam in Richtung Abschlussprüfungen steuert.

Viel Milch, wenig Gehalt

Die Erzählungen, welche mir Töbu vom Betrieb liefert, wiederholen sich mehr oder weniger: «Alles läuft gut, alle Tiere sind gesund!». Das schätzen wir sehr. Von den 18 Erstlingskühen geben alle ausreichend Milch. Einige übersteigen unsere Erwartungen ganz klar und wir können sie mit unserer bescheidenen Fütterung von Heu und Grassilage kaum mit genügend Energie versorgen.

Wir erwarten eine erste Laktation in der Höhe von mindestens 5‘000 kg Milch, rund 6000 kg ist ideal. Nun sind drei Tiere dabei, die auf über 8000 Kilogramm gerechnet sind. Die Gehalte der drei sind mit total 6,6% aber auch bescheiden. Rinella, sie steht in der fünften Laktation, hat einen neuen Rekord in Schneiter’s Stall erzielt: 50,6kg Milch. Sie frisst rund um die Uhr, wird aber wohl dennoch stark abmagern.

Verkauf läuft gut an

Ich weiss, dass ist ein Luxusproblem. Wir haben die Betriebsstrategie geändert, sind seit dem 1. Januar 2019 Bio-Knospen-Betrieb und wollen den Kraftfuttereinsatz weiter reduzieren. Momentan erhält jede Kuh im Schnitt 300 kg pro Jahr. Da müssen wir auch das Zuchtziel der Kühe ändern: kleine, stoffwechselelastische, weidegängige Kühe mit guten Gehalten.

Da stehen die Holstein-Tiere im falschen Stall. Da schätzen wir uns glücklich, dass der Verkauf dieser Hochleistungstiere gut angelaufen ist. Wir erzielten bisher ansehnliche Preise. Nun werden noch rund zehn Kühe verkauft, fünf davon haben ein schwarzes Fell. 

Gutes Geschäft und emotionale Entscheidungen

Mit der Aufzucht und somit dem Verkauf von jährlich rund 15 Zucht- und Nutzkühen verdienen wir gutes Geld. Jedoch sind es immer wieder emotionale Entscheidungen. Wir haben zu jeder Kuh eine Beziehung und jede hat ihren eigenen Charakter. Am Anfang der «Verkaufs-Saison» erstellen wir immer eine Liste. 

Dort halten wir fest, welche Kühe wir bestimmt behalten wollen, welche wir verkaufen und die «graue Zone» gelangen. Das löst meist Diskussionen aus. Eigentlich wollen wir pro Jahrgang eine Kuh alt werden lassen auf unserem Betrieb. Nicht immer sind wir uns aber einig, welche dies sein soll.

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

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