28.06.2020 11:53
Quelle: schweizerbauer.ch - rup
Aargau
«Keines der Kinder wollte Betrieb weiterführen»
Ende 2019 ging Dora Kunz in Pension und der Betrieb wurde mangels Nachfolge verpachtet. Die Wohnsituation wurde geklärt.

Ein Gesicht hinter den aufgegebenen Betrieben ist Dora Kunz aus Brittnau AG. Die 65-Jährige hat ihren Betrieb per Ende 2019 aufgegeben. Bis dahin führte sie den Betrieb in Form einer Betriebszweiggemeinschaft (BZG), wie sie sagt: «Seit 1980, als wir den Betrieb von den Schwiegereltern übernahmen, funktionierte unsere BZG. Diese Form der Zusammenarbeit war für uns erfolgreich.» Die Milchproduktion wurde jedoch bis Ende 2012 selbstständig geführt, die Schweinemast bis kurz vor dem Tod des Ehemannes im Jahr 2014. Dora Kunz entschied sich daraufhin, den Betrieb die noch sechs verbleibenden Jahre bis zu ihrer Pension allein weiterzuführen.

Keine Hofnachfolge

Dass es nach vielen Generationen mit dem Betrieb innerhalb der Familie nicht weitergehen würde, sei absehbar gewesen, sagt Dora Kunz. «Als Eltern haben wir unseren Kindern immer freigestellt, was sie erlernen wollen», meint sie. «So kam es, dass keines meiner acht Kinder im Betrieb einstieg.» Der Betrieb wird voraussichtlich per 2020 an einen Sohn überschrieben. In den letzten Jahren wurde sie von den Partnern der Betriebszweiggemeinschaft gut unterstützt. So sei es jetzt auch naheliegend, dass der noch verbliebene Partner der BZG das Eigenland in Pacht nimmt.

«Auf diesen 14 Hektaren und den 15 Hektaren Pachtland wurden in den letzten Jahren Weizen, Raps, Sonnenblumen, Mais und Gerste angebaut.» Der Betrieb sei immer silofrei bewirtschaftet worden, sagt Kunz. «Bis 2012 produzierten wir mit 22 Kühen Milch für die Emmentaler-Produktion. Zuerst lieferten wir in die Käserei bei unserem Weiler in Mättenwil, nach deren Schliessung in die Käserei Pfaffnau.» Zur Einstellung der Milchproduktion kam es auf Grund notwendiger Investitionen, die zu hoch gewesen wären. 

Wohnsituation geklärt

Mit der Betriebsaufgabe wurde auch die Wohnsituation auf dem Hof geregelt. Dora Kunz und ein Sohn mit Familie wohnen dort. «Für mich ist wichtig, dass ich hier weiterleben kann und wir ein gutes Verhältnis in der Familie pflegen», betont Kunz. Wie genau das Wohnrecht aussehen werde und wer aus der Familie den Betrieb übernehmen werde, müsse noch im Detail geregelt werden. 

Ohne Wehmut

Obwohl der Betrieb nicht in die nächste Generation übergeben werden konnte, blickt sie nicht wehmütig zurück. Vielmehr überwiegt der Stolz, gerade die Jahre nach dem Tod des Ehemannes bestmöglich gemeistert zu haben. Es gab nämlich einige administrative Hindernisse zu überwinden. Unter anderem musste eine mehrjährige Tätigkeit auf dem Hof und eine abgeschlossene Berufslehre vorgewiesen werden.

«So kam mein 1976 erworbenes Hebammendiplom nochmals zu Ehren.» Für die Zukunft hofft Dora Kunz, dass die Bäuerinnen und Bauern wieder vermehrt von ihrem Beruf leben können: «Es gibt in der Region leider nur sehr wenige, die den Betrieb im Vollerwerb bewirtschaften können.»

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