14.02.2019 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
«Kreative Geschichten über unseren Betrieb»
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Landwirtin und Lernende.

Der Winter hält sich hartnäckig und wir geniessen die weisse Schneepracht. Ich weiss noch, als ich vor vier Jahren in Neuseeland war und den dortigen Sommer genoss, schickte mir Töbu jeweils Fotos mit dem vielen Schnee. Er glaubte, so viel würde es so bald nicht wieder geben. Nun hat es noch einiges mehr, wohl um die 20 Zentimeter.

Normalität während meiner Kindheit

Für «Fahrni-Verhältnisse» ist diese Schneehöhe sehr viel. Während meiner Kindheit gab es wohl keinen Winter, wo nur so wenig Schnee lag. Ich bin in Schangnau BE, einem Dorf auf 1200 Meter über Meer und ein wenig abgelegen, aufgewachsen. Ich kann mich gut daran erinnern, dass mein Vater das RAUS (regelmässiger Auslauf im Freien) direkt auf der Strasse machte. Einen Zaun brauchte es nicht, denn der Schneewalm war so hoch, dass die Rinder ihn nicht überwinden konnten. Und unerwartete Autos gab es auch keine. 

Umzug im eigenen Haus

Ich mag den Schnee, er macht alles irgendwie ruhiger und sanfter. Nebst den Stallarbeiten hat die Lehrtochter Brennholz gespaltet. Bei «schlechtem Wetter» bauen wir hin und wieder Überzeit ab oder renovieren zwei Zimmer. Wir wollen unser Schlafzimmer ins Erdgeschoss zügeln, so dass wir endlich ein Gästezimmer haben. Hierzu streichen wir die Wände neu und verlegen einen neuen Boden.

Zeit zum Tratschen

Wohl ist es auch bei anderen Leuten ruhiger. Und sie haben Zeit, um kreative Geschichten zu erfinden und zu erzählen. Beispielsweise wurde Onkel Kurt bei seiner Tour als Pösteler gefragt, ob es stimme, dass wir nur noch sieben Kühe melken würden. Wir würden ja auf Mutterkühe umstellen.

Ist das möglich?

Genau, der Lastwagen holt jeden zweiten Tag mehr als 1200 Liter Milch ab - von sieben Kühen. Wir haben eben Hochleistungssportlerinnen. Zudem können wir nach zwei Umstellungsjahren nun endlich Bio-Milch verkaufen. Allein die Melkanlage im neuen Stall hat über 50‘000 Franken gekostet, ohne bauliche Massnahmen. Da haben wir längst genügend finanzielle Mittel, dass wir es uns leisten können, den Neubau umzunutzen. Ich hoffe, dass alle die Ironie verstanden haben. 

Besser als jede Comedy-Show

Ich finde solche Gerüchte spannend und kann mich amüsieren. Teilweise regt es uns auch zum Denken an und bringt uns auf Ideen, wie wir unseren Hof optimieren können. Dennoch: schon nur das Erzählte ist absurd. Noch absurder ist, dass es geglaubt und weitergetratscht wird. 

Wir diskutieren immer wieder, wieso dies überhaupt passieren kann. Vielleicht ist es aus Langeweile, vielleicht auch aus Misstrauen unserem Neubau gegenüber, oder halt Neid. Töbu meint dann jeweils: «Solange sie noch von dir sprechen, existierst du wenigstens noch!»

Neuer Zündstoff

Dass der Stall nicht funktioniert, haben wir schon oft gehört. Bis heute habe ich das noch nie miterlebt. Aber dass es wirklich ab und zu kleinere Pannen gibt schon. Beispielsweise am vergangenen Sonntag, es stürmte und wir konnten das Rolltor, natürlich wetterseitig, nicht mehr ganz schliessen. 

Aus irgendeinem Grund stoppte es einen Meter über dem Boden immer. Das war nicht sehr angenehm. Bald was das halbe Tenn nass und es begann zu schneien. Da uns das Pickett-Telefon von Torhersteller auch nicht weiterhelfen konnte, platzierten wir als Windschutz vier Siloballen davor. Ja, wir haben noch Futter, auch wenn das Gegenteil herumerzählt wird.

Moderne Technik wird repariert

Verständlicherweise waren wir über den späteren Feierabend nicht gerade erfreut. Die neue Technik war schuld. Doch als wir bei den Rindern das Licht löschen wollten, sahen wir, dass auch das alte Schiebetor ausgehängt war. Nur hier können wir niemanden anrufen, der am Montagmorgen vor acht Uhr auf dem Platz steht und es wieder flickt, und das unter Garantie. Hier müssen wir selbst Hand anlegen.

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

Hier gehts zur Website

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE