8.07.2020 13:28
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Kuh erschossen – Bauer verklagt Staat
Im Mai 2019 hat die Polizei bei Kornhöfstadt (D) eine Kuh erschossen, die zuvor Reissaus genommen hatte. Der Landwirt verklagt nun den Freistaat Bayern. Er erachtet den Abschuss als unverhältnismässig. Nun muss das Gericht über den Fall entscheiden.

Das Landgericht Nürnberg hat einen aussergewöhnlichen Fall zu beurteilen. Im Mai 2019 riss eine Kuh auf dem Weg in den Schlachthof aus.

Standhafte Kuh

Die Frau des Landwirts kontaktierte die Polizei. Diese rückte gemäss infranken.de in der Folge auch aus. Die Beamten nahmen die Verfolgung der Ausreisserin auf. Eine Stunde lang verfolgte die Frau des Landwirts mit ein paar Helfern das Tier durch Wald und Wiesen. Dies deshalb, um die Kuh in freier Wildbahn zu erlegen, um eine sachgerechte Schlachtung zu ermöglichen.

Als die Kuh auf einer Strasse vor dem Streifenwagen auftauchte, kam es zu den umstrittenen Schüssen. Die Polizisten streckten die Kuh nieder. Die Beamten sagten, dass sie mit dem Abschuss die Bevölkerung schützen wollten. Insgesamt wurden mit einer Maschinenpistole drei Schüsse auf das Tier abgegeben. Gemäss Zeugen hatte der Polizist «das gibt es doch nicht» ausgerufen. Dies deshalb, weil die Kuh nach zwei Schüssen immer noch nicht zusammenbrach. 

Schlachtwert eingefordert

Der Landwirt empfindet den Einsatz der Polizei als unverhältnismässig. In einem Zivilprozess fordert er nun einen Schadenersatz in der Höhe von 3000 Euro (3200 Fr.). Gemäss dem Landwirt entspricht dies dem Schlachtwert des Tieres. Wegen den Schüssen sei das Fleisch ungeniessbar geworden, sagte er vor Gericht. Gemäss dem Landwirt hat das Schlachtgewicht rund 300 Kilo betragen.

Und auch bezüglich des Einsatzes der Polizei gibt es unterschiedliche Auffassungen. Gemäss der Nachrichtenagentur dpa gaben die Polizisten vor Gericht an, die Eigentümerin des Tieres sei mit den Schüssen einverstanden gewesen. Der Landwirt bestreitet dies. 

Bayern lehnt Vergleich ab

Dieser hatte einen Tierarzt, Metzger und Jagdschützen aufgeboten, um die Kuh zu erlegen. Diese wären 2 Minuten nach den tödlichen Schüssen auf Platz gewesen, macht der Landwirt geltend. So hätte auch das Fleisch noch verwertet werden können. Der Metzger hätte das tote Rind in den Schlachthof gebracht und das Fleisch dort verarbeitet. 

Gemäss focus.de sah das Gericht einen Vergleich als den richtigen Weg an - 1500 Euro vom Freistaat für den Landwirt. «Ich empfehle dringend einen Vergleich», sagte der Richter. So ganz verhältnismässig seien die Schüsse - bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Gefahrenabwehr - aus der Dienstwaffe auf den Kopf des Rindviehs wohl nicht gewesen. Eine akute Gefahr sei von der Kuh nicht ausgegangen.

Doch der Vertretet des Bundeslands Bayern wollte darauf nicht eingehen. Eine Entscheidung wird spätestens am 22. September verkündet.

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