14.11.2019 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Kunst
«Kuh hat mich immer fasziniert»
Vor 46 Jahren lernte die gebürtige Appenzellerin Ursula Regez-Fuchs ihren Mann und mit ihm die Kunst des Scherenschneidens kennen. Kühe fand sie immer faszinierend. Deshalb fertigt sie Kühe nicht «nur» aus Papier.

Es ist ein goldener Herbsttag, die Geranien am Haus von Scherenschnittkünstlerin Ursula Regez-Fuchs und ihrem Mann Jürg in Latterbach BE blühen immer noch in voller Pracht.

Ebenso freundlich ist der Empfang der Künstlerin vor dem schönen Oberländer Holzhaus. Beim Eintreten fällt sofort auf, hier muss einerseits eine Kuhliebhaberin- und andererseits eine Künstlerin daheim sein.

Appenzell & Graubünden

Aufgewachsen ist Ursula Regez-Fuchs in St. Moritz GR. Ihre Eltern stammen aus dem Appenzellerland, wo Ursula immer noch sehr verwurzelt ist, wie sie sagt. Zeichnen und Handarbeiten gehörten in der Schule zu ihren Lieblingsfächern. «Bis heute kann ich kaum rechnen», lacht sie. Das muss sie für ihr beeindruckendes Kunsthandwerk auch nicht können. Denn hierfür ist vor allem Kreativität, Vorstellungsvermögen und Fingerspitzengefühl gefragt.

Vor 46 Jahren lernte sie ihren Mann Jürg kennen. Zuvor hat sich Ursula Regez-Fuchs kaum kreativ betätigt, ausser eben in ihren Lieblingsfächern während der Schulzeit im Engadin. Durch ihren Mann und dessen Vater lernte sie die Kunst mit Schere und Papier kennen.

"New York sei zu abgelegen"

Ihr Schwiegervater, David Regez war in dieser Zeit ein sehr bekannter Scherenschneider. Er war mit seinen Werken bis weit über die Landesgrenze hinaus bekannt. «Einmal erreichte David sogar eine Einladung aus New York, wo er seine Werke hätte präsentieren dürfen. Doch dies sei ihm zu abgelegen gewesen», so Ursula schmunzelnd.

Von Anfang an, während sie ihren Mann und seinen Vater kennenlernte, war Ursula von der Kunst des Scherenschneidens total begeistert. «Es hat mich immer fasziniert, wie David mit seinen grossen Händen und den groben Fingern, mit welchen er kaum in die feine Schere kam, solch filigranen Scherenschnitte fertigen konnte.»

Eigener Stil entwickelt

Ursula verspürte bald den Wunsch, dieses Kunsthandwerk zu erlernen. Im Jahr 1984 entstand ihr erster «brauchbarer» Scherenschnitt, wie sie sagt. Anfänglich übernahm sie den Stil ihrer beiden Regez-Vorbilder. Über all die Jahre entwickelte sie dann ihre eigene Kunstrichtung. Dies spiegelt sich auch deutlich an den Kühen wider. Regez’ Kühe haben eine einzigartige Form, unverkennbar.

Ins Schwärmen gerät die gebürtige Appenzellerin, wenn sie von ihrem letzten grossen Auftrag erzählt. Die neu erbaute Naturpark-Käserei Diemtigtal, welcher ab November  landwirtschaftliche Familienbetriebe ihre Milch liefern werden, hat für die Gestaltung eines Scherenschnitts einen Künstler/eine Künstlerin gesucht.

Zwei Meter Scherenschnitt für Käserei

Mit einer Zeichnung bewarb sich die gebürtige Appenzellerin. Anforderungen der Käserei waren unter anderem: der Hausberg Niesen, Kühe, Kuhglocken, eine Blumenwiese, Bauer und Käser, eine Alphütte und die Käseherstellung müssen im Scherenschnitt vorkommen. Ausserdem soll Schweizer Erbe, Nachhaltigkeit, Tradition und Handwerkskunst einfliessen. 

Ebenso sollte auf der unteren Linie ein verzierter Rand enthalten sein.  Ursula Regez-Fuchs überzeugte die Verantwortlichen und durfte einen zwei Meter langen Scherenschnitt fertigen. Diesen hat sie notabene in nur drei Monaten gezaubert. «Mein Werk ziert nun die grosse Rückwand im Restaurationsbereich.  Aber auch auf der Verpackung der Käseprodukte werden Sequenzen aus dem Scherenschnitt zu sehen sein.»

Metall und Altholz

Vor Jahren hat Ursula Regez-Fuchs einen Metallkurs in Erlenbach besucht. Seither lasert sie ihre Scherenschnitt-Motive auch aus Metall. Die fertigen Metalle, meist Alpaufzüge, lässt sie von ihrem Sohn, welcher gelernter Zimmermann ist, in Altholzrahmen wunderschön zur Geltung kommen. Papier und Metall sind aber nicht die einzigen Materialien, mit welchen sie sich kreativ auslebt.

Als Tochter von zwei Appenzellern war sie schon immer von der Appenzeller Bauernmalerei begeistert. Nach Besuchen von Grundkursen hat Ursula angefangen, Bilder in alte Fenster zu malen. Vor ca. 15 Jahren hat sie zudem die Freude am Töpfern für sich entdeckt. Aus Ton fertigt sie 50 bis 60cm grosse Gartenfiguren, Clowns und diverse kleinere Gegenstände.

Weil Scherenschnitte zurzeit wieder sehr gefragt sind, sind Regez’ Scherenschnitte nicht nur auf Papier präsent. Derzeit sei es ein regelrechter Trend, Autos mit Scherenschnitten, z.B. mit Alpaufzügen in Form eines Klebers, zu verzieren. Ebenso gefallen Küchenkombinationrückwände im Scherenschnittdesign.

Regez’ Logo lautet: MINI ART = meine Art, kleine Kunst … Alles ein bisschen anders! www.regez-miniart.ch


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