7.04.2020 11:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Bern
Mathias hat mehr Zeit zum Bauern
Mathias Aebersold aus Diemtigen BE geniesst die freie Zeit wegen des Coronavirus. Doch nur Vorteile sieht der 13-jährige nicht.

Normalerweise stehen mehr Autos auf dem Parkplatz und in der Küche wird fleissig gearbeitet. Nun ist alles still, vor dem Restaurant Schönbühl steht eine Tafel, dass auch sie das Restaurant schliessen mussten. Doch was ist schon normal? Der Siebtklässler Mathias öffnet mir die Türe, heute mache er ausnahmsweise keine Hausaufgaben wegen dem Interview und er habe dem Vater geholfen.

«Am Vormittag gehe ich lieber zur Schule»

Mathias Aebersold weiss, dass die Schule wichtig ist, dass man etwas lerne und später so eine bessere Lehrstelle bekomme. Doch eigentlich geht er nur mässig gerne zur Schule. «Vor allem am Nachmittag, da möchte ich lieber zu Hause helfen», führt der Bauernsohn aus.

Nebst dem Restaurant führen Aebersolds auch einen Milchwirtschaftsbetrieb. Nun hat er genügend Zeit, um bei den ersten Arbeiten im Frühjahr zu helfen. «Gestern habe ich mit dem Mistkran den Mist geladen», beschreibt er, auch Jauche ausgebracht und Kühe geschoren hätten sie bereits.

«Ich wünschte mir frei»

Mathias gibt mit einem breiten Grinsen an, dass die Nachricht, dass die Schulen geschlossen wurden, ihn schon freute. Die Kühe mussten geschoren werden, denn bald stand die Viehschau auf dem Programm. Doch mit der Absage aller Beständeschauen wurde die Freude ein erstes Mal etwas getrübt. Plötzlich wurde klar, dass das Coronavirus alle betrifft.

Dennoch «Angst vor dem Virus habe ich nicht, aber ich lache auch nicht darüber!» Mathias weiss viel über die Krankheit, vor allem, dass es für junge, gesunde Menschen nicht allzu gefährlich werden sollte, doch: «ich will keinen anderen anstecken», ist er sich sicher.

Die Kollegen fehlen

Selbstdiszipliniert zeigt sich der Berner Oberländer bei seinen Schulaufgaben. In einem Heft löst er täglich 1 bis 2 Stunden Aufgaben, das muss von der Mutter unterschrieben und somit bestätigt werden. Diese Art zu lernen, scheint Mathias zu gefallen, doch: «Die Schulkollegen sehe ich so auch nicht mehr», gibt er zu bedenken.

Das sei auch das, was er am meisten vermisse. Die Situation sei schon speziell: «Alles ist so ruhig, im Postauto sass heute nur jemand, gestern zwei Personen, normalerweise ist es fast voll.»

«Hoffe, die Welt lernt»

Dass dieses Ereignis in Erinnerung bleibt, ist sich Mathias sicher. Bei der globalen Nachhaltigkeit weniger. «Ich hoffe schon, dass die Trinkwasserinitiative nun abgelehnt wird» zeigt er sich politisch. Die Leute würden nun hoffentlich lernen, woher das Essen kommt, und nicht immer so negativ über die Bauern sprechen.

Mit dem Läuten einer grossen Zügeltreichel am Mittwochabend setzt der angehende Jungbauer jedenfalls zusammen mit seinen Eltern ein wichtiges Zeichen und trägt zum positiveren Image der Bauern mit bei.

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