19.12.2018 16:02
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Bern
Video: So kommt das Heu ins Tal
Hansueli und Benjamin Grünenwald aus der Lenk im Simmental BE setzen auf Tradition. Weil die beiden für den Winter kein Heu zukaufen und ebenso auf moderne Hilfsmittel wie einen Helikopter verzichten wollen, bringen die beiden das Heu mit dem Schlitten von der Alp ins Tal. Mit Video

Ein paar Schritte von der Skipiste des Gebiets Bettelberg Lenk BE entfernt, steht der Heuschober von Hansueli und Benjamin Grünenwald. Die beiden halten 14 Simmentalerkühe und 6 Kälber.

Vom Magazin wandern.ch werden sie bei ihrem Vorhaben, das Heu von der Alp mit dem Schlitten ins Tal zu bringen, begleitet. Auf die Frage, weshalb der Bergbauer sein Futter nicht im Sommer während dem Einbringen direkt zum Talbetrieb bringt, antwortet Hansueli Grünenwald: «Dies wäre zu zeitaufwändig. Es würde mehr als eine Stunde pro Futterladung dauern, bis diese im Tal wäre, abgeladen und ich wieder hier oben für das nächste «Fueder» bereit wäre. Zudem müsste im Tal jemand ziemlich anpacken können, damit das Ganze in einer Stunde wirklich möglich wäre.»

Schnee schaufeln, um zur Piste zu gelangen

Um die alten Holzschlitten später zur Skipiste ziehen zu können, müssen die beiden Oberländer erst einmal den gröbsten Schnee mit der Schaufel wegräumen. Sohn Benjamin hat drei Seile quer- und eines längs über den Schlitten gelegt. Nun schichten Grünenwalds das Heu zu einer grossen «Burdi», einem Heuhaufen. Als erstes werden die Querseile fixiert, am Schluss das Längsseil, welches mit einem speziellen Knoten befestigt wird.

Danach werden die losen «Heuschübel» mit Holzrechen raus gestrählt. Die fertige, 150-200 Kilo schwere «Burdi» wird nun auf den Schlitten geladen und zum Pistenrand gezogen. Dort fragt eine Skifahrerin mit französischem Accent freundlich, ob sie ein Foto machen darf. Wie Grünenwalds ihr Heu transportieren, ist schliesslich eine Rarität. Und schon werden die weiteren Heuhaufen exakt und mit viel körperlichem Einsatz bereitgestellt.

Schlittenfahrt mit dem Heu

Insgesamt vier «Burdi» haben Grünenwalds gemacht. Je eine wird auf die beiden Schlitten gelegt, die anderen werden angebunden und als Bremse dienend, hinten angehängt ins Tal gezogen. Weil die Schlitten im steilen Gelände ziemlich an Tempo gewinnen, haben Hansueli und Benjamin Ketten bei sich, welche sie im Falle einer Notbremsung unter die Kufen legen können.

Weil der Talbetrieb nicht direkt an der Piste steht, wird das Heu mit dem Aebi-Transporter zum Stall gebracht. Benjamin Grünenwald wird den Betrieb seines Vaters bald übernehmen. Er will die Tradition des Heutransports im Winter per Schlitten weiterführen.

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