15.11.2019 06:46
Quelle: schweizerbauer.ch - czb
Genf
Wo "Ziegen" und "Kohlköpfe" bauern
Gemüsebauern, Agraringenieure und Quereinsteigerinnen, insgesamt sieben Personen arbeiten auf der Ferme Touvière. Manche kümmern sich um den Gemüseanbau, andere um die Ziegen. Alle haben im Job die gleiche Position.

eben Chefs und Chefinnen, dazu ein Lehrling, ein Holzofen-Bäcker und Saisonangestellte –  insgesamt bis zu elf Personen – bewirtschaften den sehr diversifizierten 40-Hektaren grossen Touvière-Bauernhof in Meinier. Edouard Pouteil-Noble, Caroline Jeanneret und Lorédan Füeg sind das in einer GmbH organisierte Team «Les Choux» (die Kohlköpfe), das sich seit sechs Jahren um den Gemüseanbau, den Obst- und Weinbau, den Anbau von Medizinalpflanzen sowie um ein paar Schafe und Legehennen kümmert.

Grégoire Czech, Sophie Hodel, Sophie Regard und Carmen Moinecourt sind das genossenschaftlich organisierte Team «Les chèvres» (die Ziegen). Sie kümmern sich um 60 Toggenburgerziegen und sind auch dafür verantwortlich, deren Milch zu Käse zu verarbeiten. Die Ziegen kamen erst vor drei Jahren. Um die Schweine kümmern sich beide Teams, weil sie nicht nur die Schotte aus der Ziegenkäseproduktion verwerten, sondern auch Reste vom Gemüseanbau fressen.

Horizontale Strukturen

«Wir wollen nicht für jemanden, sondern miteinander arbeiten», erklärt Grégoire Czech, weshalb ihm diese horizontalen Strukuren besonders wichtig sind. Dabei können die Teams, zumindest teilweise, fortführen was ihr Vorgänger Alexis Corthay bereits aufgebaut hat. Corthay hat das auf dem Touvière-Hof produzierte Obst, Gemüse, die Trauben und das Getreide anfänglich an Genossenschaften abgeliefert.

Dann entwickelte er vor etwa zwei Jahrzehnten zusammen mit zwei Nachbarn die Idee der Vertragslandwirtschaft. Dabei zahlen Konsumenten im Voraus einen bestimmten Geldbetrag, womit sie sich praktisch am Anbau beteiligen, und bekommen dafür regelmässig die auf dem Betrieb produzierten Lebensmittel an verschiedene Depots in Genf oder Umgebung Genf geliefert – jeweils passend zur Saison.

Corthays Sohn, mit dem er etwa zehn Jahre lang zusammengearbeitet hat, wollte den Betrieb aber nicht alleine weiterführen. «Wir hatten aber das Glück, dass er uns sein Vertrauen schenkte», erzählt Czech. Corthay lebe noch auf dem Hof und stehe, wenn nötig, mit seinem Rat zur Seite. Noch heute werden etwa ein Drittel der Produkte im Rahmen der von ihm aufgebauten Vertragslandwirtschaft an private Kunden rund um Genf geliefert. «Je etwa ein weiteres Drittel unserer Produkte verkaufen wir im Hofladen, um den sich vor allem das Team ‹Les Choux›  kümmert, sowie an Restaurants und kleine Feinkostläden», erklärt Czech.

Theorie und Praxis

«Uns alle verbindet der Wille, aus dem Betrieb etwas zu machen und jedes Jahr ein bisschen besser zu werden», meint Czech. Das ist aber eine Herausforderung für alle. «Denn keiner von uns ist Sohn oder Tochter eines praktizierenden Landwirts, und wir sind ohne Landbesitz und Eigenkapital», sagt Czech. Das Kollektiv setzt sich stattdessen aus gelernten Gemüsebauern und Bäuerinnen, aus Agraringenieuren und Quereinsteigerinnen zusammen.

Sophie Hodel meint: «Unser Wissen effizient in die Praxis umzusetzen, den richtigen Arbeitsrhythmus zu finden und finanziell rentabel zu sein, gelingt uns im noch im Aufbau befindlichen Ziegenprojekt noch nicht ganz.» Trotzdem seien alle stolz, die gebotene Chance ergriffen zu haben, und sie sind motiviert, sich den Herausforderungen zu stellen. Die Unterstützung der Genfer Konsumenten ist ihnen bereits sicher, für die sie auf ihrem Hof drei bis viermal pro Jahr gut besuchte Feste und Konzerte organisieren.

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