19.08.2019 12:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Personen
«Bauern müssen zusammenstehen»
Marco Fritsche erzählt, was ihn an «Bauer,ledig, sucht» reizt. Und er erklärt, wo er bei der Landwirtschaft Handlungsbedarf ortet.

Marco Fritsche ist seit rund 20 Jahren im TV-Geschäft tätig. Der Appenzeller ist seit 14 Staffeln Moderator von «Bauer, ledig, sucht» auf dem Privatsender 3+. Wir haben ihn am Flughafen Zürich nach einem Dreh zum Gespräch getroffen.

Welchen Bezug haben Sie zur Landwirtschaft?
Ich wuchs zwar im Dorf Appenzell auf, aber in der Kindheit habe ich immer bei meinem Verwandten auf den Höfen ausgeholfen. Dementsprechend gab es bei uns keine Sommerferien, sondern wir waren mit Heuen beschäftigt.

Wäre Landwirt keine Option gewesen?
Nein, eher nicht. Zwar besitzt meine Mutter einen Hof. Dieser ist aber schon seit langer Zeit an unseren Nachbarn verpachtet. Die Fläche des Betriebes, der im Hügelgebiet liegt, ist zu klein, um über die Runden zu kommen.

Was hat Sie an «Bauer, ledig, sucht» gereizt?
Zuvor machte ich praktisch nur Studioproduktionen, man ist vor Wind und Wetter geschützt. Eine Sendung, wo man so nahe an den Protagonisten ist wie bei «Bauer, ledig, sucht», gibt es selten. Zum Studiopublikum ist man doch eher distanziert. Zudem habe ich ja eine Verbindung zur Landwirtschaft. Und die Sendung gab mir auch die Möglichkeit, mich zu entwickeln. Zuvor hatte ich den Ruf als «Partymaus» und Hipster.

War das nicht ein krasser Gegensatz: Der Hipster, der nun Bauern verkuppelte?
Nein, das finde ich nicht. Denn ich bin nicht viel anders als die Bauern, zu denen ich auf den Hof fahre. Auch die tragen beispielsweise bekannte Modelabels. Ich hingegen nehme die Position des  alternden Onkels ein. Auch meine Tattoos sind kein Thema mehr, viele Bauern sind ja ebenfalls tätowiert.

Würden Sie an einer Kuppelshow teilnehmen?
Ich muss ja nicht (schmunzelt). Ich bin seit siebeneinhalb Jahren mit meinem Mann verheiratet. In Sachen Beziehung kann ich nun den Kandidatinnen und Kandidaten sogar Tipps geben. Aber zurück zur Frage: Nein, ich würde bei  einer solchen Sendung nicht mitmachen. 

Haben Sie einen Einfluss auf die Auswahl der Bauern?
Nein, das macht 3+. Ich lerne die Kandidaten an der Stubete oder auf dem Hof kennen. Zuvor erhalte ich lediglich einen Steckbrief. 

Es gibt bestimmte Muster bei den Teilnehmern: der Schüchterne, der Schönling, der Verschrobene. Braucht es das?
Ja, das braucht es schon, sonst wird die Sendung eintönig. Eine gewisse Handschrift ist für eine Sendung wie diese nötig. Das bringt auch die gewünschte Zuschauerbindung. 

Es gibt immer wieder Kritik, dass Bauern vorgefertigte Texte sprechen müssten. Stimmt das?
Nein, das würde unglaubwürdig wirken und sich negativ auf die Sendung auswirken. Die Bauern stehen zum ersten Mal vor der Kamera. Es wirkt deswegen am TV teilweise ein wenig hölzern. Wichtig ist aber: Ohne unsere Bauern gibt es kein «Bauer, ledig, sucht». Und es sind keine Statisten oder Schauspieler, sondern reale Personen. 

Die Bauern sind sich in der Regel den Umgang mit Medien und im Besonderen mit einem TV-Team nicht gewohnt. Helfen Sie den Bauern, die Ängste zu nehmen?
Ein Coaching mache ich nicht gerade. Vor dem Dreh spreche ich mit den Bauern. So finde ich  heraus, wo der Schuh drückt. Ich sage ihnen, dass sie es sagen sollen, wenn sie etwas stört. Wir  erklären vor Beginn der Dreharbeiten auch, weshalb und warum wir die verschiedenen Aufnahmen benötigen. Die Entwicklung, die unsere Bauern und Hofdamen während der Dreharbeiten machen, beispielsweise in der Kommunikation, ist beeindruckend. 

Es gibt auch Kritik am Sendeformat. Dieses stelle die Landwirtschaft nicht so dar, wie sie ist. Was sagen Sie dazu?
Wenn der Bauer beispielsweise der Hofdame zeigen muss, wie die Ziegen gemolken werden, dauert das seine Zeit, bis die Szene im Kasten ist.  Wir versuchen aber den Umständen entsprechend alles so wahrheitsgetreu wie möglich darzustellen.

Zur Person
Marco Fritsche lancierte seine Karriere in den elektronischen Medien 1999 mit einem Praktikum bei Swiss Music Television (später Viva Schweiz). Anschliessend war er während rund sechs Jahren Aussenmoderator bei der Quizshow «Eiger, Mönch, Kunz» auf SRF. Danach arbeitete Fritsche bei Tele Ostschweiz. Seit 2008 ist der Appenzeller Moderator von «Bauer, ledig, sucht» auf dem Schweizer Privatsender 3+. Seit 2008 ist Fritsche selbstständig. Der 43-Jährige wohnt in einem älteren Haus im Dorfkern von Appenzell. blu

Die wirtschaftliche Situation von zahlreichen Bauern ist schwierig.  Diskutieren Sie mit Bauern über diese Spannungsfelder?
Ja. Nach den Dreharbeiten sitzen wir noch zusammen. Was mir auffällt: Es ist extrem abhängig von der Region, sprich Tal- oder Berggebiet, und der Produktionsrichtung, also beispielsweise Milch- oder Fleischproduktion. Es hängt auch von der Person ab. Nicht alle haben dieselben unternehmerischen Fähigkeiten. Manchmal ist es auch eine Frage der Organisation. Einige Bauern hätten hier  Potenzial , damit sie es weniger strenger haben. Schlussendlich ist es ein Abwägen: Was brauche ich, damit ich zufrieden bin.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?
Was mir auch auffällt: Warum gibt es Max-Havelaar-Bananen, aber beispielsweise keine Max-Havelaar-Milch, wo der Bauer 80 Rappen oder mehr erhält und nicht nur knapp 60 Rappen wie momentan. Das liegt auch daran, weil die Bauern es trotz Verbänden nicht schaffen, als Einheit aufzutreten, und bei Bedarf auf die Bremse zu stehen. Es gibt doch so viele Leute, die für Milch mehr bezahlen würden, wenn sie wüssten, dass der Mehrpreis zum Bauern kommt. Das Gärtchendenken hilft nicht, als Einheit aufzutreten. Und es gibt noch Potenzial, eine «Bauer, ledig, sucht»-Milch wäre doch was.

Was bedeutet Landwirtschaft für Sie?
Sie ist ein Teil meiner Kindheit und meines Umfelds.

Was machen Sie, wenn Sie nicht für «Bauer, ledig, sucht» tätig sind?
Die Sendung ist wichtig für mich, fast schon ein Klumpenrisiko. Rund 40 Prozent meines Umsatzes erziele ich mit diesem Format. Daneben habe ich Auftritte bei Symposien, Awards und anderen Anlässen.

Wie lange bleiben Sie noch das Aushängeschild von «Bauer, ledig, sucht»?
Ich möchte die Sendung noch möglichst lange moderieren. Es ist  eine Herzensangelegenheit. Doch ich muss  realistisch bleiben. Wenn die Quote der Sendung absackt, dürfte dies das Ende bedeuten. Doch zum Glück ist das nicht der Fall.

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