13. Mai 2012
Die USA im Jahre 2012, erneut im
Wahkampfmodus. Einmal mehr giften sich demokratische und republikanische
Vertreter gegenseitig auf den unablässig nach neuen Geschichten lechzenden
24-Stunden-Newssendern an. Die Wahrheit liegt meist irgendwo in der Mitte. Oder
seit dem radikalen Rechtsrutsch der Republikaner eher etwas links von der
Mitte.
Gerade hat Robert Draper, freier
Reporter unter anderen für die New York Times, eine Bombe platzen lassen: in
seinem gerade erschienenen Buch «Do Not Ask What Good We Do» durchleuchtet er
die Strategien, mit denen im Washingtoner Kongress um die Macht gerungen wird.
Draper, ein pedantischer Mann, wenn es um Recherchen geht, schildert gleich zu
Beginn ein Treffen der republikanischen Elite. Am Abend des 20. Januar 2009, also
an jenem Tag als Barack Obama als 44. Präsident der USA seinen Eid schwor,
versammelten sich die ideologischen Gralshüter der Grand Old Party in einem
Washingtoner Steakhouse, um den Gegenschlag vorzubereiten. Wortführer Newt
Gingrich soll zum Ende des Treffens gesagt haben: «Ihr werdet Euch an diesen
Tag erinnern. Ihr werdet ihn als jenen Tag, an dem der Samen für 2012 gelegt
wurde, in Erinnerung behalten.»
Die Absicht war klar: die
Republikaner würden vier Jahre lang geschlossen auftreten und konsequent
jeglichen Vorstoss der Demokraten boykottieren. Und später, wenn sie 2010 die
Mehrheit des Abgeordnetenhauses zurückgewinnen würden, den Präsidenten direkt
angreifen und Gesetzesvorstösse blockieren.
Bislang lief alles nach Plan.
Und dieses Jahr wird sich entscheiden, ob diese Art der demokratischen
Verweigerung tatsächlich zum Erfolg führt. Und ob sich der erste nichtweisse
Präsident des Landes nach einer
Amtszeit bereits wieder verabschieden muss.
Dass Barack Obama die Wahl
verlieren kann, ist in einem Land, das kulturell und parteipolitisch gespalten
ist und in dem die Protagonisten nichts unversucht lassen, diesen Graben weiter
aufzureissen, ein realistisches Szenario.
Das republikanische
Establishment hat sich nun hinter einen Kandidaten gestellt, den es eigentlich
nicht mag: Mitt Romney. Doch weil der Mann als millionenschwerer Businessman
als der richtige Mann zur Rettung für die schwächelnde Wirtschaft angesehen
wird, unterstützen sie nun eher unfreiwillig den Ex-Gouverneur von
Massachusetts. Am Ende könnte das mangelnde Rückgrat ihres völlig
uncharismatischen Kandidaten für die Partei-Elite auch eine Chance sein – als
Romney-Berater im Bereich Aussenpolitik haben sich bereits die alten Falken lautstark
wieder bemerkbar gemacht. In einem der ersten Statements, bezeichneten sie
Russland als Sowjetunion und nannten als einen Verbündeten die
Tschechoslowakei. Aber in einer Partei, die Klimawandel als einen grossen
Betrug und den Darwinismus als Lüge bezeichnet, ist das Comeback des Kalten Krieges
wohl nur die logische Folge.
Wohin die älteste aller modernen
Demokratien driftet, wird sich im November weisen. Die Alternativen so scheint
es, waren noch nie klarer denn heute. Wenn die Republikaner sich nicht auf ihr
bewährtes konservatives Gedankengut zurückbesinnen, droht dem Land bei einem
Sieg Romneys ein soziokultureller Kahlschlag. Ronald Reagan würde heute wohl
freiwillig aus der Partei austreten, wenn er dies mitansehen müsste. Und
Abraham Lincoln? Er hätte sich – wie dies kürzlich der Komiker Jimmy Kimmel treffend
bemerkte – wohl gleich selbst erschossen.
Amerika quo vadis? lautet also
die Frage in den kommenden Monaten. TheTitle bleibt mit seiner
Wahlkampfzentrale nah dran…
Rudolf Amstutz
#-#SMALL#-#zurück zum Dossierinhalt »#-#SMALL#-#